Berner Zeitung Artikel vom 20. September 2022 – Scientology ist erneut aktiv am Berner Hauptbahnhof mit ihrer Tarnorganisation der Weg zum Glücklichsein

Update um 21.55 Uhr mit dem Statement der Freidenker Vereinigung Schweiz (sh. weiter unten).

Die Berner Zeitung hat eine Leserin kontaktiert, die ihre Verwunderung auch auf Twitter ausdrückte. Vermutlich hat sie sich gefragt, wieso eine Scientology Tarnorganisation am Bahnhof Bern Werbung machen darf.

Vor allem ist es mehr als eine bodenlose Frechheit, wieso Scientology ihr Büchlein, was laut Berner Zeitung «aussieht wie ein Flyer eines Jugendtreffs», mit Themen wie «Morden Sie nicht» besonders an Kinder und Jugendliche und an jungen Eltern abgegeben werden darf.

Die SBB versteckt sich hinter der uns angegeben Aussage:

«Das Agieren dieser Organisation ist allgemein bekannt. Der Ball liegt bei der Politik und der Rechtsprechung. Die Anschreibepflicht ist in den Nutzungsbestimmungen für ideellen Promotionen Artikel 6.2. geregelt.»

Nur: genau DIE Politik in Bundesbern schiebt den Ball zurück an sämtliche Kantone in der Schweiz – jeder Kanton sei selbst verantwortlich. Zumal Scientology in der Schweiz NICHT als Religion anerkannt ist! SBB ist jedoch kein Kanton und kann es wirklich sein, dass sie sich tatsächlich hinter der Politik versteckt? Eine äusserst bedenkliche und schwache Aussage eines Bundesbetriebes, welcher vollständig im Besitz des Bundes ist.

Wir geben noch lange nicht auf – vielleicht kommt nun endlich politischer «Schwung» in diese verstrickte und undurchschaubare Geschichte, die hin und her geschoben wird. Und vor allem scheint das Kinder- und Jugendschutzgesetz nach wie vor keine Rolle zu spielen – die Schweiz befindet sich gelinde gesagt im Mittelalter.

Hier unser Blogbeitrag zu diesem leidigen Thema: «Könnte es sein, dass die SBB / CFF mit SCIENTOLOGY SCHWEIZ zusammenspannt» und auf Facebook haben wir auch bereits darüber berichtet.

Nachstehend der Artikel in der Berner Zeitung mit dem Titel «Scientology verteilt Glückskekse im Bahnhof Bern» – wir haben ihn gekauft.

Von Jana Kehl publiziert heute um 20:16 Uhr

Sekte irritiert Pendlerinnen und Pendler:

Scientology verteilt Glückskekse im Bahnhof Bern

Die umstrittene Religionsgemeinschaft verteilt den Passanten mitten im Bahnhof ungefragt Süssigkeiten und Broschüren. Warum darf sie das?

Vier Jugendliche posieren in einer Stadt namens «Cool City». Über ihnen prangt gross die Aufschrift «z’Läbe fägt». Was aussieht wie ein Flyer eines Jugendtreffs, ist die aktuelle Broschüre von Scientology. Die einheitlich blau gekleideten Mitglieder verteilten diese am Sonntagabend in der Eingangshalle des Berner Bahnhofs.

«Es hätte auf den ersten Blick auch eine Eistee-Werbeaktion sein können», sagt eine Passantin. Sie drückte ihre Verwunderung auch auf Twitter aus, indem sie ein Foto von der Broschüre postete.

Ist eine solche Aktion am Bahnhof Bern überhaupt erlaubt?

Die Aktion war bewilligt

Sabrina Schellenberg, Mediensprecherin der SBB, bestätigt auf Anfrage, dass die Verteilaktion über die Allgemeine Plakatgesellschaft APG SGA gebucht und bewilligt wurde. Scientology gilt als eine umstrittene Sekte. Dennoch stehe ihnen das Recht auf solche Standaktionen zu, hält Schellenberg fest.

Die Mediensprecherin schreibt nämlich, dass die SBB die Aktion auch gar nicht hätte verbieten dürfen. Denn Bahnhöfe und Züge gelten seit einem Bundesgerichtsurteil von 2012 als öffentlicher Raum. «Die SBB können nur da einschreiten, wo die öffentliche Ordnung gefährdet wird, oder Sitte und Anstand verletzt werden», so Schellenberg.

Scientology agiert unter Tarnnamen

Beat Künzi bezeichnet sich selbst als «Anti-Scientology-Aktivist» und hat für die Verteilaktion wenig Verständnis. Die SBB achteten in ihren Vorgaben weniger auf Transparenz als die Stadt, so Künzi. Deshalb hat sich der Anti-Scientology-Aktivist schon mehrmals an das Bahnunternehmen gewendet. «Die SBB würden schliesslich auch keine Standaktionen von Rechtsradikalen unter dem Tarnmantel des Heimatschutzes akzeptieren», hält er fest.

Häufig sind er und seine Frau dort mit Warnschildern aktiv, wo die Sekte mit einem Stand im öffentlichen Raum das Publikum anspricht. Problematisch sind die Standaktionen für ihn vor allem darum, weil sich Scientology oft hinter Tarnorganisationen verstecke. Diese sprächen laut Künzi gezielt Kinder und Jugendliche, ältere Personen sowie Menschen mit Migrationshintergrund an: Gruppen, die sich mit höherer Wahrscheinlichkeit auf einen Austausch einliessen.

Diese Broschüre verteilten die Scientologen an die Passantinnen und Passanten. FASA Anmerkung: dieselben Broschüren verteilte die Tarnorganisation bereits am 26. Juli 2022 am Bahnhof in Solothurn (die zwei Fotos unter der Broschüre zeigen Scientologen, wie sie eifrig aktiv sind und Passanten anquatschen und damals haben wir die Bahnpolizei wegen einer versuchten Tätlichkeit eingeschaltet, die anscheinend ohne Konsequenzen für die Psychosekte blieb).

Auch am Sonntag war nicht sofort klar, wer hinter der Verteilaktion steckte. Auf der Rückseite verweist Scientology schliesslich auf Lafayette Ronald Hubbard, den Gründer der Gemeinschaft. Scientology selbst bezieht am Telefon keine Stellung.

Standaktionen als Teil der Meinungsfreiheit

Lisa Arnold ist Leiterin der Geschäftsstelle der Freidenker-Vereinigung, welche sich für die Anliegen von Konfessionsfreien einsetzt. Sie teilt zwar die Ansichten von Beat Künzi. Trotz ihrer kritischen Haltung gegenüber Scientology setzt sie sich aber nicht für ein Standverbot ein. «Wir stehen für die Meinungs- und Pressefreiheit, von der wir auch selbst profitieren», sagt sie. Schlussendlich sei jedoch die Frage, wie jemand für seine Anliegen «kämpft», zentral.

Es stellt sich die Frage, wie lange Scientology ihr Unwesen auf öffentlichem Grund treiben darf und wie lange es dauert, dass Bundesbern endlich etwas dagegen unternimmt.

Update mit dem Statement der Freidenker Vereinigung:

Die Freidenker-Vereinigung ist gegen Werbung von Scientology im öffentlichen Raum

20. SEP 22

Am 20. September erschien ein Artikel der Berner Zeitung und im Bund, der falschen Interpretationsspielraum zulässt. Die FVS stellt sich sehr klar hinter Beat Künzi und Yolanda Sandoval und verurteilt solche Aktionen aufs Schärfste!

Die Freidenkenden stehen für Meinungs- und Pressefreiheit, jedoch nur, solange dadurch keine Menschen gefährdet werden. Scientology ist ein dubioses, gewinnorientiertes Unternehmen, das am Rande der Legalität operiert. Dies ist in keinster Weise vertretbar und kein Kampf mit offenem Visier. Sie verstecken sich hinter falschen Namen und geben sich harmlos.

Wer sich wissenschaftlich schimpft aber klar religiös ist, spielt auch auf diversen weiteren Ebenen ein gefährliches und falsches Spiel. Wir sind dem gegenüber sehr kritisch, vor allem, weil sie sich häufig hinter falschen Namen verstecken und ihr Gesicht nicht zeigen. Die aktuelle Aktion in Bern zeigt genau das. Was wir von der FVS klar kritisieren, ist, dass sich Scientology immer wieder hinter anderen Namen, Postadressen, Labels etc. versteckt.

Schutz vor religiösen Übergriffen ist in der Schweiz aus Sicht der FVS viel zu wenig vorhanden. Andere religiöse Gemeinschaften haben sogar Zugriff auf unsere Schulkinder und werden in den Medien übermässig positiv dargestellt. Klar gibt es unterschiedlich schädliche religiöse Gemeinschaften. Aber auch jene, welche vom Staat privilegiert werden, verstossen immer wieder gegen Menschenrechte. Wir Freidenkerinnen und Freidenker regen an, nicht immer zweierlei Massstab anzusetzen. Wir sind gegenüber Scientology sehr kritisch. Aber wir kritisieren auch, dass die Mehrheitsgesellschaft gegenüber anderen kritikwürdigen Religionen immer wieder zu zahm bleibt.

Eigentlich ist es ja ein schönes Zeichen, dass sich Scientology jetzt so krampfhaft davon absetzen will, eine Religion zu sein. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass Religion und religiöse Organisationen scheinbar inzwischen schon einen so schlechten Ruf haben, dass sich sogar Scientology davon distanziert.

Weitere Informationen und relevante Hinweise dazu auf dem Anti Scientology Blog.

Ein Kommentar zu “Berner Zeitung Artikel vom 20. September 2022 – Scientology ist erneut aktiv am Berner Hauptbahnhof mit ihrer Tarnorganisation der Weg zum Glücklichsein

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