DE – BaWü: WARNUNG! Wie funktioniert eine Scientology- Köder-Veranstaltung? Scientology Veranstaltung vom 29. August 2026 in Stuttgart

Immer wieder sagen wir, dass Scientology gefährlich ist, und zeigen mit Argumenten auf, weshalb dies so ist. Der folgende Bericht geht hier etwas tiefer und wird sehr grundsätzlich, verbunden mit einer Warnung zu einer bevorstehenden Scientology-Veranstaltung in Stuttgart.

Aktuell bewirbt Scientology Stuttgart massiv die folgende Veranstaltung (Flyer sh. unten).

Nach unserem Eindruck richtet sich die Werbung insbesondere an Menschen, die irgendwann schon einmal mit Scientology in Kontakt gekommen sind, damals aber nicht weiter eingestiegen sind bzw. sich nicht haben anwerben lassen. Gerade diese Personen scheinen gezielt erneut angesprochen zu werden.

Das halten wir für besonders problematisch. Scientology wird gerade in der Anfangsphase häufig als vergleichsweise harmlos, positiv und hilfreich wahrgenommen. Die ersten Kurse und Angebote können bei Teilnehmern durchaus zu kleinen, subjektiv überzeugenden Erfolgserlebnissen führen. Menschen können beispielsweise den Eindruck gewinnen, bestimmte Situationen besser bewältigen zu können, selbstbewusster zu werden oder persönliche Probleme besser in den Griff zu bekommen.

Genau diese unmittelbaren positiven Erfahrungen können dazu beitragen, dass die ersten Angebote als seriös und hilfreich wahrgenommen werden.

Woher die Scientology-Techniken tatsächlich stammen
Der Vorwurf, Scientology-Gründer L. Ron Hubbard habe wesentliche Bestandteile seiner Techniken aus bereits bestehenden Lehren und Methoden übernommen, findet sich auch in der Auseinandersetzung von Religionswissenschaftlern, Psychologen und ehemaligen Scientologen mit Scientology. Demnach sind zahlreiche zentrale Elemente der Scientology nicht als vollständig eigenständige Entwicklung Hubbards zu verstehen. Vielmehr griff Hubbard auf bereits vorhandene Konzepte aus verschiedenen Bereichen zurück, veränderte sie teilweise und versah sie mit einer eigenen Terminologie und einem Science-Fiction-geprägten Weltbild.

Unter Aussteigern hören wir deshalb immer wieder sinngemäss den Satz:

«Alles, was an Scientology gut ist, ist nicht neu – und alles, was neu ist, ist nicht gut.»

Hier einige Beispiele:

1. Psychoanalyse nach Sigmund Freud

  • Scientology-Begriff: «Auditing» und der sogenannte «reaktive Verstand».
  • Hintergrund: Das Auditing arbeitet unter anderem mit dem gezielten Aufspüren belastender Erinnerungen und Erfahrungen. Diese Vorgehensweise weist deutliche Parallelen zu psychoanalytischen Konzepten wie dem Unbewussten und der freien Assoziation auf. Die sogenannten «Engramme» sollen dabei vergangene, belastende Erfahrungen identifizieren und bearbeiten.

2. Okkultismus und Aleister Crowley

  • Scientology-Begriff: Konzepte zur Steigerung der persönlichen Fähigkeiten und Willenskraft sowie bestimmte Elemente der Organisationsstruktur und der höheren «OT-Stufen – operierender Thetan».
  • Hintergrund: Hubbard stand in den 1940er-Jahren in Kontakt mit Jack Parsons, der mit dem Ordo Templi Orientis (OTO) und Aleister Crowleys okkulter Tradition verbunden war. In der späteren Scientology finden sich Vorstellungen, die an Crowleys Konzept von «Magick» erinnern – insbesondere die Vorstellung, dass der Geist Einfluss auf Materie, Energie, Raum und Zeit nehmen könne.
  • Jon Atack (Aussteiger) aus der UK hat zu diesem Thema ein tolles Buch mit dem Titel «If Scientology Ruled the World: Nazi Occultists, Sex Magick, Space Aliens, and the Second Coming – Wenn Scientology die Welt beherrschen würde: Nazi-Okkultisten, Sexmagie, Außerirdische und die Wiederkunft Christi» im August 2025 publiziert.

3. Allgemeine Semantik nach Alfred Korzybski

  • Scientology-Begriff: Die intensive Beschäftigung mit der exakten Bedeutung von Wörtern. In Scientology-Kursen müssen Mitglieder beispielsweise Wörter nachschlagen und vermeintliche Verständnisblockaden beseitigen.
  • Hintergrund: Korzybskis Sprachphilosophie beschäftigt sich unter anderem damit, wie ungenaue oder missverständliche Sprache unser Denken und unsere Wahrnehmung beeinflusst. Auch hier bestehen deutliche Parallelen zu Elementen der Scientology.

4. Klassische Hypnose- und Fixierungstechniken

  • Scientology-Begriff: Die sogenannten «TR’s – Training Routines – Kommunikations-Kurse», bei denen Teilnehmer beispielsweise über längere Zeit regungslos einer anderen Person in die Augen schauen müssen.
  • Hintergrund: Methoden der Fixierung und anhaltenden Konzentration auf einen bestimmten Reiz sind auch aus der Hypnose und verwandten Verfahren bekannt. In der Scientology werden diese Übungen allerdings in einen völlig anderen organisatorischen und ideologischen Zusammenhang gestellt. Aus unserer Sicht ist deshalb besonders kritisch zu betrachten, welche Wirkung diese Übungen im Rahmen der schrittweisen Einbindung in die Organisation haben können.

5. Das E-Meter

  • Scientology-Begriff: Das sogenannte Hubbard-Elektrometer oder «E-Meter», das innerhalb der Scientology zur angeblichen Messung geistiger Belastungen eingesetzt wird.
  • Hintergrund: Das Gerät wurde nicht ursprünglich von Hubbard erfunden. Es geht auf Entwicklungen des US-amerikanischen Chiropraktikers Volney Mathison zurück. Hubbard übernahm das Konzept und entwickelte bzw. verwendete es innerhalb der Scientology weiter.

Warum die anfänglich positiven Erfahrungen problematisch sein können
Aus unserer Erfahrung liegt gerade hierin eine besondere Gefahr.

Die schrittweise Einbindung in das Scientology-System wird von Betroffenen häufig nicht als solche wahrgenommen. Es ist nicht zwingend so, dass jemand von Anfang an mit offensichtlich negativen Konsequenzen konfrontiert wird. Im Gegenteil: Zunächst können positive Erfahrungen und kleine persönliche Erfolgserlebnisse Vertrauen schaffen.

Wer beispielsweise nach einem Kurs das Gefühl hat, selbstbewusster zu sein oder ein persönliches Problem besser bewältigen zu können, hat einen nachvollziehbaren Grund, auch das nächste Angebot auszuprobieren.

So kann sich die Einbindung Schritt für Schritt verstärken. Die betreffende Person nimmt vielleicht zunächst einen Kurs wahr, danach einen weiteren, führt Gespräche mit Mitgliedern und beschäftigt sich zunehmend mit der Scientology-Lehre. Dabei kann sie immer stärker in das System geraten, ohne selbst zu bemerken, wie weit dieser Prozess bereits fortgeschritten ist.

Gerade deshalb halten wir es für falsch, Scientology ausschliesslich anhand der ersten Kurse oder anhand der unmittelbaren Erfahrungen einzelner Teilnehmer zu beurteilen.

Dass jemand zu Beginn tatsächlich eine Verbesserung oder ein persönliches Erfolgserlebnis wahrnimmt, bedeutet nicht automatisch, dass das dahinterstehende System unproblematisch ist. Im Gegenteil: Gerade solche positiven Erfahrungen können dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen und die Bereitschaft zu erhöhen, weitere Angebote wahrzunehmen.

Die aktuelle Werbung und die mögliche Wirkung der Veranstaltung
Besonders bemerkenswert finden wir deshalb, dass die aktuelle Werbung offenbar nicht ausschliesslich über die üblichen Social-Media-Kanäle ausgespielt wird.

Die Reichweite und die Art der Ansprache sollten aus unserer Sicht genauer betrachtet werden. Insbesondere wäre interessant, welche Personengruppen gezielt angesprochen werden, ob frühere Kontakte zu Scientology erneut aktiviert werden und mit welcher Botschaft dies geschieht.

Davon ist ausserdem auszugehen: Wer tatsächlich an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, trifft dort nicht ausschliesslich auf unvoreingenommene Besucher in den besagten Räumlichkeiten. Es ist zu erwarten, dass sich (für den Neuling unbemerkt) auch viele langjährige und überzeugte Scientologen anwesend sind, die Aussagen auf der Veranstaltung bestätigen und mit Applaus oder anderen positiven Reaktionen unterstützen.

Für unbedarfte oder erstmalig teilnehmende Personen kann dadurch eine besondere soziale Drucksituation entstehen.

Teilweise werden neue bzw. noch unerfahrene Personen innerhalb von Scientology abwertend als «Frischfleisch – Row Meet» bezeichnet. Gerade deshalb sollte man sich bewusst machen, dass ein scheinbar normales Publikum bei einer solchen Veranstaltung nicht zwangsläufig repräsentativ dafür ist, wie die Veranstaltung von aussen betrachtet werden würde.

Ein solcher Effekt lässt sich als «Social Proof» beziehungsweise «soziale Bewährtheit» beschreiben: Menschen orientieren sich bei der Einschätzung einer Situation daran, wie andere Menschen reagieren.

Wenn beispielsweise langjährige Mitglieder begeistert applaudieren, zustimmend reagieren und den Eindruck vermitteln, dass die Aussagen auf der Bühne überzeugend und erfolgreich sind, kann dies bei neuen Besuchern den Eindruck erzeugen:

«Wenn alle hier so begeistert sind, muss das wohl etwas Positives und Erfolgreiches sein.»

«Social Proof» findet in vielen Bereichen, vorwiegend auch bei schneeballartigen Systemen oder fadenscheinigen Geschäftsmodellen zur Anwerbung von neuen Vertrieblerinnen und Vertreibern seit Jahrzehnten eine entscheidende Rolle.

Aber auch diese Technik findet bewusst bzw. unbewusst statt: «Love Bombing»: Sehr intensive, teilweise übertriebene Anerkennung, Aufmerksamkeit und Zuwendung gegenüber dem «Neuling», um schnell eine emotionale Bindung aufzubauen. Der Begriff wird besonders im Zusammenhang mit manipulativen Gruppen und Beziehungen verwendet. Der Neuling kommt aus einer «gestressten negativen Welt» in diese Veranstaltung und kommt gut gelaunt nach Hause, und fühlt sich zwangsläufig besser.

Unser Fazit
Aus den genannten Gründen lautet unser klarer Rat: Keinesfalls an dieser Veranstaltung teilnehmen!

Wer sich bereits einmal mit Scientology beschäftigt hat oder von der aktuellen Werbung angesprochen wurde, sollte sich bewusst machen, dass gerade die zunächst positive und scheinbar harmlose Ansprache Teil eines schrittweisen Einbindungsprozesses sein kann. Sich dieser Situation gar nicht erst auszusetzen, halten wir deshalb für die sicherste Entscheidung.

Wir wollten euch auf die aktuelle Werbung aufmerksam machen und euch diese Informationen zur weiteren Einschätzung weitergeben.

Hier der Scientology Stuttgart Flyer als Beweis:

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