
An Samstag, 27. Juli 2024, hat in Frankfurt ein nationales Treffen der deutschen Scientologen im Saalbau Griesheim stattgefunden. Wir haben nicht nur einen Insidertipp erhalten, sondern auch viele Fotos, auf welchen uns bekannte Gesichter aus ganz Deutschland zu sehen sind, und deshalb haben wir daraus ein Video gemacht:
Die nicht mehr als schätzungsweise 120 Scientologen die bei der Veranstaltung gezählt wurden, sind ein recht trostloses Bild für das grösste angekündigte Treffen von deutschen Scientologen innerhalb der letzten Dekade. Um nur einige zu nennen: Pastorin und Sohn mit Freundin, die Lavendel-Honig-Expertin, Verwandte von Rotkäppchen aus Düsseldorf die leider 15 Minuten mit dem Taxi zu spät kam, Kapernikus* aus Berlin, Hausmeisterservice aus München, der Nebenbei noch als Auditor in München aktiv ist. Auch durfte Pressesprecherin Scientology München natürlich nicht fehlen.
Auffällig war, dass einige Scientologen recht grimmig dreinschauten. Auch beklagten sie sich, dass die Scientologen alles so negativ sehen würden und die Kommunikation intern nicht stimmen würde. Ihr guten: Wenn ihr schon Internas ausplaudert, dann macht es zumindest diskret. Aber Danke dafür!
Die Veranstaltung wurde von der Technik-Firma supported, die die Lautsprecher so aufdrehte, dass man auf der Strasse vieles mitbekommen hatte. Diese hat ihre Büros in der Region München, wie man dem Impressum entnehmen kann.
Aus gut unterrichteten Quellen wissen wir, dass es an diesem Treffen vor allem um Expansionspläne in Deutschland geht. Dies erstaunt uns nicht, dass jetzt gerade ein deutschlandweites Treffen 2024 stattfindet, denn Scientology hat bereits früher in diesem Jahr bekannt gegeben, dass sie expandieren wollen. Auf scientology.de wurde am 16. März 2024 der folgende Artikel veröffentlicht:
«In grossem Rahmen denken – Scientology-Kirche feiert Geburtstag ihres Gründers mit exponentieller Expansion».
Gleich 17-Mal ist das Wort Expansion zu lesen und u.a. wird folgendes erwähnt:
«Wie es sich für diesen Abend aller Abende gehört, werden wir das überreichen, was LRH sich zu seinem Geburtstag am meisten wünschte: Nicht nur ein Geburtstagsspiel, das EXPANSION bedeutet“, sagte Mr Miscavige der Menschenmenge zu Beginn der Feierlichkeiten am Samstagabend, „sondern auch das expansionistische Schicksal, das von seiner Tech vorangetrieben wird, was sich alles in Idealen Orgs manifestiert.
Aber warum sollte man es untertreiben?“, fuhr er fort. „Die Wahrheit ist, dass Sie diesen Abend als wichtigen Meilenstein betrachten können, von dem aus wir nie mehr zurückblicken werden. Darüber hinaus ist es ein Meilenstein mit exponentiellen Auswirkungen.»
Die Hessenschau schreibt am 27.01.2023 ebenfalls über die Expansionspläne der deutschen Scientologen:
«Expansionspläne im Rhein-Main-Gebiet / Scientology möglicher Großmieter in Neu-Isenburg. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Organisation Scientology mietet offenbar ein knapp 9.000 Quadratmeter großes Bürogebäude südlich von Frankfurt. Neu-Isenburgs Bürgermeister will genau hinschauen, was dort passiert.»
Und weiter:
«Soll aus „Org“ eine „Ideale Org“ werden? Eine solche räumliche Expansion fand 2018 in Stuttgart statt. Der dortige Zweig der Organisation eröffnete in einem für rund acht Millionen Euro gekauften Bürogebäude eine „Ideale Org“. Um zu wachsen, müsste die Organisation aufeinander aufbauende Kurse verkaufen. Das unterste Level dieser Kurse bieten „Missionen“ wie in Wiesbaden, dann kommen „Orgs“, wie beispielsweise in Frankfurt. Die höchste in Deutschland vertretene Einheit sind „Ideale Orgs“. Je höher der Grad der Einrichtung, desto mehr Kurse kann man kaufen und in der internen Hierarchie aufsteigen. „In der Logik von Scientology streben die jeweiligen Einrichtungen danach, sich zu vergrößern und weiterzuentwickeln. Daher verwundert es nicht, wenn die jetzige Frankfurter Org etwa analog zu Stuttgart eine ‚Ideale Org‘ werden will“, so Weltanschauungsbeauftragter Koch.»
Dass die Expansionspläne an diesem Grossanlass in Deutschland besprochen werden, ist nicht ungefährlich. Joachim Herrmann, vom Verfassungsschutz Bayern schreibt dazu im Vorwort:
„Extremistische Gefahren, die etwa von rechts- und linksextremistischen oder islamistischen Ideologien und Akteuren für unsere Gesellschaft ausgehen, stehen oft im Mittelpunkt der ge- sellschaftlichen Aufmerksamkeit und Debatte. Seltener geraten hingegen die Aktivitäten der Scientology-Organisation (SO) ins Blickfeld der Öffentlichkeit: Diese geriert sich nach außen als Glaubensgemeinschaft und „Kirche“ und dient sich mit ihren verschiedenen Tarnorganisationen Menschen in persönlichen Krisensituationen als vermeintlich kompetenter Helfer an.
Tatsächlich handelt es sich bei der SO aber um einen international agierenden Wirtschaftskonzern, dessen Expansionsstrategien auf die Durchdringung und Beeinflussung von Staat und Gesellschaft abzielen. Die Hinwendung zur SO bedeutet für Betroffene oftmals nicht nur finanzielle Ausbeutung bis hin zum Ruin. Sie treibt ihre Anhänger in die totale mentale Abhängigkeit vom System Scientology und entfremdet sie von Freunden und Angehörigen.
Neben der völligen Unterwerfung des Einzelnen verfolgt die SO auch politische Ziele: Sie will eine weltumspannende Herrschaftsordnung errichten, in der demokratische und recht- staatliche Prinzipien weitestgehend außer Kraft gesetzt sind. Insbesondere Nicht-Scientologen sollen nach den Vorstellungen der SO im „scientologischen“ Idealstaat jegliche Menschen- und Freiheitsrechte aberkannt werden.“
Weiter steht:
„Die wirtschaftlichen Aktivitäten der SO sind eng mit ihrer politischen Agenda verknüpft. Durch die professionelle Vermarktung und den Vertrieb scientologisch geprägter Kurse und Publikationen will die SO nicht nur ihre Ideologie verbreiten, sondern auch finanzielle Ressourcen für globale Expansionspläne schaffen.“
Wie wichtig Expansionspläne für Scientology ist, zeigt der nächste Abschnitt im Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes:
„Um ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele zu erreichen, betreibt die SO eine aggressive Expansionspolitik, die die Infiltrierung gesellschaftlicher Strukturen, die Verbreitung scientologischer Verfahren auf breiter Front und die konsequente Einschüchterung und Bekämpfung von Kritikern und Gegnern einschließt.“
Davon können alle Kritiker ein Liedchen singen, mit dem Unterschied jedoch, dass wir 2023 gegen Scientology vor Gericht gewonnen haben und die Pastorin Billie und ihre Familie W. ruhiggestellt haben, nachdem sie uns mit rechtlichen Schritten gedroht haben.
Vor allem auch Tarnorganisationen sollen zu der von Miscavige geforderten Expansion dazu beitragen – der Verfassungsschutz dazu:
„Ziel der KVPM ist es vor allem, ihren Anspruch zu unterstreichen, mit der Lehre der SO die einzig richtige Methode zur Lösung psychischer Probleme zu besitzen. Der Organisation geht es damit auch um eine Marktverdrängung. Sie betrachtet Psychiatrie und Psychologie als Konkurrenz. Die KVPM-Kampagnen zielen darauf ab, die Bevölkerung zu verunsichern, um den Boden für scientologische Lösungsansätze in Medizin und Justiz zu bereiten und damit die Grundlage für eine Expansion der SO in der Gesellschaft zu schaffen.
Aber Scientology Deutschland scheut sich auch nicht davor, Hilfe aus den USA anzunehmen, um so verschiedene Stellen gebührend einschüchtern zu können:
„Die SO und ihre Teil- und Unterorganisationen in Deutschland sind seither darum bemüht, in der Öffentlichkeit das Bild einer verfolgten religiösen Minderheit zu erzeugen. Sie scheut dabei nicht davor zurück, ihren politischen Einfluss in den USA geltend zu machen und entsprechende diplomatische Initiativen anzustoßen. Ziel dieser Aktivitäten ist es, gegen alle staatlichen oder gesellschaftlichen Widerstände ihre Expansionspläne umzusetzen.“
Trotzdem glauben wir, dass die Expansionspläne von Scientology lediglich ein kleines Strohfeuer eines kleinen Spinners ist.
7 Kommentare zu „DE – Grossanlass in Frankfurt – Scientology möchte an ihrem nationalen Treffen die Expansionsstrategie in Deutschland vorantreiben – jedoch erfolglos“