Harte Strafen wegen Betrugs mit pseudomedizinischen Messgeräten – im Gerichtssaal verhaftet! Gibt es noch andere Firmen und Gruppen, die sich auf solche Geräte verlassen?

Zuerst beginnen wir mit dem wirklich tollen BR24 Bericht vom 28. Mai 2022 über das Gerät Bioscan.

Danach kommen wir auf Regumed und Scientology zu sprechen und es ist schön zu lesen, dass mehrere Länder, sprich Deutschland, die Schweiz, USA und sogar Wikipedia schreiben, dass ein medizinischer Nutzen des Gerätes nicht nachweisbar ist und BR24 spricht sogar von Betrug:

«Laut Werbeversprechen sollte das Gerät „Bioscan“ binnen Sekunden wichtige Gesundheitsdaten erfassen – dabei kann es einen Menschen nicht von einem Leberkäse unterscheiden. Nun wurden die Urteile in dem Betrugsfall gesprochen.

Das Reutlinger Amtsgericht hat ein Exempel statuiert: Wer mit pseudomedizinischen Versprechen wirbt, kann wegen Betruges in Haft kommen.

Die beiden Geschäftsführer eines Instituts, das ein Messgerät unter dem Namen Bioscan vertreibt, wurden jetzt zu Haftstrafen von drei beziehungsweise zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Die Vertriebsleiterin kam mit einer Geldstrafe davon.

Beide Angeklagten wurden noch im Gerichtssaal verhaftet. Der eine muss die Haft in der JVA Stuttgart-Stammheim antreten, der andere in der JVA Rottenburg. Außerdem müssen sie die Brutto-Umsätze aus dem Verkauf der Geräte seit 2015 zurückzahlen, das sind über vier Millionen Euro.

report München überführte „Bioscan“
Recherchen von report München zu Bioscan-Geräten, die angeblich binnen Sekunden medizinisch wichtige Gesundheitsdaten liefern können, haben zu dem Prozess vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Reutlingen geführt.

Die Geräte kamen in Apotheken, bei Heilpraktikern und sogar bei Ärzten zum Einsatz. Das Werbeversprechen: Über 200 Gesundheitsdaten könnten so binnen Sekunden erfasst werden. Recherchen von report München hatte das Werbeversprechen schon 2018 deutlich in Frage gestellt.

Verhaftung im Gerichtssaal
Das Gericht ging im Strafmaß über den Antrag der Staatsanwaltschaft weit hinaus und ließ die Angeklagten noch im Gerichtssaal verhaften: Es drohe Wiederholungsgefahr, da die Angeklagten das Gerät weiter vertrieben, sogar noch während des Prozesses, sagte Richter Eberhard Hausch in der Urteilsbegründung. Das Gerät enthalte keinerlei werthaltigen Bauteile, und könne überhaupt nichts messen. Das hätten beide Angeklagten gewusst. Deswegen wurden sie wegen gewerbsmäßigem Betrug und Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz verurteilt.

Mensch oder Leberkäse?
Recherchen von report München hatten den Betrug bereits 2018 aufgedeckt. Professor Walter Dorsch, Allergologe aus München, hatte die Testreihen für report München durchgeführt und kam zum Ergebnis, das gar nichts gemessen werde – die Messergebnisse seien vom Computer generiert, vermutete er damals.

Die Geräte, die unter dem Namen Bioscan vermarktet wurden, sollten angeblich Schwingungen im Informationsfeld des menschlichen Körpers messen. Doch das Gerät lieferte im Test für dieselbe Person unterschiedliche Ergebnisse, je nachdem welches Alter und welcher Name eingegeben wurde. Identische Daten aber lieferte das Gerät bei Messungen mit einem Leberkäse und einem Menschen – wenn der gleiche Name und das gleiche Alter eingegeben wurden.

Die bayerischen Behörden waren danach dennoch lange untätig geblieben.

Gutachter bestätigt Recherchen
Beim Prozess in Reutlingen bestätigten Gutachter und Zeugen nun die report München-Recherchen. Das Gerät führe keine Messungen durch und könne das auch gar nicht, sagte Olaf Dösel, Professor für Medizintechnik, der als Gutachter bestellt war. Er bezifferte den Materialwert auf ca. 30 bis 50 Euro. Der mitgelieferte Laptop koste etwa 300 Euro. Verkauft wurde der Bioscan aber zu Preisen bis über 5.000 Euro.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidiger waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.»

Laut BR Bericht enthalte das Gerät keinerlei werthaltigen Bauteile, und könne überhaupt nichts messen. Wir stellen uns die Frage wie es denn mit der Firma Regumed und ihrer Bicom Bioresonanzmethode aussieht?

Regumed selbst schreibt auf ihrer Homepage:
«Die BICOM Bioresonanz-Therapie gehört ebenso wie z.B. die Homöopathie, die Akupunktur und andere Naturheilverfahren in den Bereich der Erfahrungsheilkunde. Die wesentlichen Grundlagen des Denkmodells zur Bioresonanz-Therapie werden durch die neuesten Erkenntnisse in der Quanten- und Biophysik bestätigt, jedoch von der derzeit herrschenden Lehrmeinung der Schulmedizin noch nicht akzeptiert.»

Alle getroffenen Aussagen über Wirkungen, Eigenschaften und Indikationen beruhen auf den Erkenntnissen und Erfahrungswerten mit der BICOM Bioresonanz-Therapie selbst.»

Das ist doch fantastisch, dass solche «Therapien» Krankenkassen anerkannt sind, fleissig übernommen und bezahlt werden. Könnten also alle mit einer Idee irgendein «Gaga-Gerät» erfinden, damit Millionen scheffeln mit der Aussicht, dass so ein Gerät auch von Krankenkassen in der Schweiz bezahlt werden? Na wunderbar!

Wir sind sehr erstaunt, dass Geräte, die von der Schulmedizin nicht akzeptiert sind, welche einen Fleischkäse (in Deutschland Leberkäse) nicht einmal von einem Menschen unterscheiden kann, bei einer Banane Probleme im Kiefergelenk, beim Bindegewebe und bei den Genitalien feststellt, eine anerkannte Therapie ist, für welche Millionen, wenn nicht Milliarden bezahlt worden sind.

Das Schweizer Fernsehen SRF und Kassensturz berichteten bereits am 14. April 2020 darüber, dass solche Geräte «Esotherischer Humbug» sind – hier der Link dazu:

Bioresonanz-Therapie: Viel Geld für keine Wirkung

Auch der Kassensturz schreibt u.a. (hier Auszüge aus dem Bericht): «Gleichwohl wird es (Bioresonanz) nicht nur von dubiosen Heilern benutzt, sondern auch von Apotheken und Ärzten. Bioresonanz ist in der Zusatzversicherung bei den meisten Krankenkassen anerkannt.

Bei der völlig gesunden Redaktorin wurden «Probleme bei Leber, Gallenblase, Dünndarm und eine versteckte Weizenallergie erkannt.

Kassensturz» unterzog das 30’000-fränkige Messgerät Gobal diagnostic von Vitatec einem zweiten Test: Statt einer Redaktorin wurde eine Banane an die Messsensoren angeschlossen. Verdacht: Das Gerät misst gar nicht, sondern täuscht lediglich medizinische Terminologie aufgrund der eingegebenen Daten vor. Verblüffendes Resultat: Das Gerät erkannte bei der Banane Probleme im Kiefergelenk, beim Bindegewebe und bei den Genitalien.

Vitatec schreibt dazu: «Das Gerät erkennt weder Organe noch Körperstrukturen, sondern identifiziert Frequenzen, die in der Datenbank mit Bezeichnungen von Körperstrukturen gekennzeichnet sind. Wird das Verfahren zweckentfremdet eingesetzt, kann man nur unbrauchbare oder unsinnige Ergebnisse erzielen.

Walter Dorsch, Professor unter anderem für Atemwegsmedizin, Allergologie und Naturheilkunde, hat Bioresonanzgeräte wissenschaftlich untersucht: «Bioresonanz ist seit Jahren als nicht wirksame Therapie bekannt und belegt. Deswegen ist sie in manchen Staaten verboten. Gleichwohl wird es sogar von Kollegen benutzt.»

Gerät kann nicht zwischen verschiedenen Menschen unterscheiden
Dorsch hatte in seiner Praxis mehrere Menschen an ein Bioresonanzgerät angeschlossen und abstruse Resultate erhalten: «Wir haben festgestellt, dass es vollkommen egal ist, wer am Gerät angeschlossen ist. Es kommt nur darauf an, welche Daten man eingibt, also männlicher oder weiblicher Patient, alt oder Jung. Es war klar, dass das Gerät nicht zwischen verschiedenen Leuten unterscheiden kann.»

Das kann gefährlich werden. Denn Therapeuten und Ärzte, die sich auf die Diagnose dieser Geräte verlassen, behandeln bei den Patienten allenfalls eine Krankheit, die sie gar nicht haben. Oder noch schlimmer: entdecken eine tatsächlich vorhandene Krankheit nicht.»

E-Meter von Scientology
Auch Scientology benutzt ein ähnliches Gerät – ein E-Meter. Wikipedia schreibt dazu:

«Das E-Meter, Elektropsychometer, Elektrometer oder Hubbard-Elektroskopist ein von der Scientology-Organisation verwendetes Gerät, das mit Hilfe von zwei in den Händen gehaltenen Elektroden Änderungen des elektrischen Widerstands, des Körpers als Zeigerbewegung sichtbar macht. Ein medizinischer Nutzen des Gerätes ist nicht nachweisbar.

Scientologen geben an, aus den Bewegungsmustern auf psychische Zustände schließen zu können sowie die Störgrössen zu kennen und kompensieren zu können. Diese Schlüsse werden hauptsächlich bei Auditing-Sitzungen verwendet, um den Clear-Zustand zu erreichen.

Weder die Methodik der Messung noch die Messgröße sind von der arrivierten Medizin anerkannt.

Da derHautwiderstand der größte Widerstand zwischen den Elektroden ist, geben Kritiker Scientologys an, in der Verwendung des E-Meters Parallelen zu einem Lügendetektortest zu sehen, da dort die elektrodermale Aktivität gemessen wird.

Wissenschaftliche Nachweise, speziell zum E-Meter und zu einer diesbezüglichen Aussagekraft des Gerätes fehlen. Der Endbericht einer der Enquête-Kommissionen des Deutschen Bundestags bezeichnete das Gerät als „wissenschaftlich wertlos“. In einem Urteil des United States District Court, District of Columbia, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das E-Meter keinen nachgewiesenen Nutzen in der Diagnose, Behandlung oder Vorbeugung gegen eine Krankheit hat und dass es aus medizinischer oder wissenschaftlicher Sicht nicht zur Verbesserung von körperlichen Funktionen beiträgt.

Scientology verlangt nach einer Preisliste aus dem Jahr 2003 für das Modell Mark Super VII Quantum E-Meter einen Preis von 7428 Euro, die Produktionskosten des Produktes werden auf etwa 100 Euro geschätzt.»

Fazit:
Es fehlen nicht nur wissenschaftliche Nachweise, solche «Geräte» sind auch von der Schulmedizin nicht anerkannt: ob Bioscan, Bicom, Vitatec oder E-Meter – wir stellen den Nutzen solcher Geräte stark in Frage und überlassen es jedem Scientologen selbst, ob sie sich mit einer so «tollen» Technik auditieren lassen wollen.

Solche Geräte werden auch bei Jugendlichen an Scientology Standaktionen eingesetzt, um ihnen zu zeigen, dass sie gestresst seien oder Probleme hätten. Wir haben dies mit eigenen Augen in Luzern ansehen müssen.

Im Rundschaubericht vom Oktober 2020 spricht Jürg Stettler von «einer geistigen Ladung» die mit dem E-Meter angeblich gemessen werden kann. Auch diese Kombination der zwei Wörter «geistige Ladung» wie auch «religiöse Rassisten» existieren nicht und wurden vom Pressesprecher Schweiz und Deutschland einfach erfunden.

Das passt ja wunderbar zu den «tollen» Bioresonanz und E-Meter Geräten. Dankeschön!

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