Scientology’s dreiste Rekrutierungs-Taktik bei jungen Menschen

In diesem Erfahrungsbericht einer Aussteigerin zeigen wir euch auf, wie dreist die fundamentalistische Scientology Organisation mit jungen Menschen umgeht, um sie zu rekrutieren und als «Roboter» auszubilden.

Wie wir bereits erwähnt haben, wird unser Blog von immer mehr Aussteigern besucht und gelesen und da für uns Tatsachen und Beweise oberste Priorität haben, können wir bei den Aussteigern Schritt für Schritt Vertrauen aufbauen und wir freuen uns sehr, dass immer mehr gewillt sind, ihre Geschichten als Aufklärungsarbeit zu erzählen. Herzlichen Dank dafür – es gibt nichts Besseres, als wenn ehemalige über ihre Erfahrungen schreiben, so sehr viele Betroffene, Aussteiger und interessierte Personen erreichen, mit ihren Erlebnissen aufklären und vor allem Mut, Zuversicht und Hoffnung transportieren können. Hoffnung auf einen Ausstieg, Hoffnung, sich aus der beklemmenden manipulativ zerstörenden Falle befreien zu können.

Die heutige Geschichte ist ein Fall, den wir euch nicht vorenthalten möchten und es ist wirklich sehr wichtig, dass sich Eltern, Lehrer und andere Pädagogen ihrer Aufklärungs-Verantwortung bewusst sind, damit man gemeinsam in der Gesellschaft viele junge Menschen vor Psychosekten warnen und sie vor dem Schlimmsten bewahren kann.

Here we go mit dem Erfahrungsbericht!

«Ende der neunziger Jahre war ich schwanger mit meinem ersten Kind. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt alles andere als einen einfachen Stand in meiner Familie, denn keiner wusste, dass ich schwanger war. Meine Mutter hatte einst gedroht, sollte ich schwanger nach Hause kommen, würde sie mich rausschmeissen. Daraufhin habe ich nichts gesagt.

Ich vertraute mich einem (wie ich dachte) guten Freund / Bekannten an und erzählte ihm, dass ich schwanger und arbeitslos bin, Probleme zu Hause habe und dass ich fast verzweifle, weil ich nicht weiss, wie es weiter gehen soll. Er hörte mir zu und nahm mich zwei Tage später mit nach Berlin in eine «Bücherei». Diese «Bücherei trug den Namen Scientology, was mir damals überhaupt nichts sagte und in meiner Hilflosigkeit vertraute ich ihm einfach, was rückblickend vielleicht höchstens etwas naiv war aber viel mehr mit Unwissenheit zu tun hatte. Aber eben: im Nachhinein ist man immer schlauer.

Die Dame bei Scientology war mega nett und sie bat mich, einen Bogen mit 200 Fragen auszufüllen (Psychologiebogen). Sie sprach mit mir und das löste ein Gefühl bei mir aus, dass sie mir helfen kann, da alle Probleme plötzlich kleiner wurden. Sie bot mir sogar einen Job an in besagter „Bücherei“ und zeigte mir sogar eine voll ausgestattete Wohnung inkl. Babyzimmer etc. im gleichen Hause. Das Babyzimmer gab es sogar zwei Mal: einmal für Jungs und einmal für Mädchen. Da ich während der Schwangerschaft nicht beim Arzt war, wusste ich auch nicht, ob es eine Tochter oder ein Sohn wird. Damit ich auch nach der Geburt dort arbeiten konnte, stellte sie mir eine Babysitterin zur Verfügung und ich bräuchte auch keine Miete zu zahlen, bekäme dafür jedoch sogar ein kleineres Gehalt.

Ich ging also zum Probearbeiten dorthin und es klang einfach alles nach einem Jackpot! Ich musste mir allerdings Bücher kaufen von L. Ron Hubbard, ich musste Videos anschauen, in denen andere Religionen als Sekte und böse dargestellt wurden. Ich dachte mir nichts dabei und machte alles mit. Bereits nach ein paar Tagen zeigten die Videos schon eine gewisse Wirkung – dies merkte ich sogar selbst, nämlich in dem Augenblick, als ich meinen Eltern von der tollen neuen Arbeit berichtete.

Meine Eltern nahmen es zunächst so hin und meinten ein paar Tage später zu mir, dass sie mit mir reden müssten (zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich bereits zwei Wochen dort). Meine Eltern sagten mir, dass sie sich Sorgen machen würden und dass dies eine Sekte sei und ich da nicht mehr hingehen sollte. Daraufhin wurde ich verdammt wütend und schrie meine Eltern an, und knallte ihnen an den Kopf, dass ihre Religionen die wahren Sekten seien und ich dort so lange hingehe, wie ich es wünsche.

Ich habe meinen Eltern einiges an den Kopf geworfen, so dass mein Vater, der nichts aus der Fassung bringen konnte, anfing zu weinen. Ich war sehr erschrocken und es zeigte mir, dass er sich wirklich grosse Sorgen um mich machte. Meine Eltern gaben nicht auf und baten mich, mit ihnen nach Berlin zu einem Sektenexperte zu fahren – er würde mich weiter aufklären über diese Sekte.

Aber ich wollte nicht dahin und kam mir vor als würde ich zu einem Exorzisten fahren. Natürlich hatte ich alle meine „tollen“ Bücher dabei. Der Sektenexperte sprach mit mir und gab mir das Gefühl zu wissen, wovon er da redet. Er setzte ein Schreiben auf, das ich unterschreiben sollte und das erklärte, dass ich nicht mehr zu Scientology zurückkehren werde. Er schickte es denen ins Büro und bat mich, ihm alle meine Bücher und Broschüren zu geben.

Ich dachte dann, okay das war es. Aber ich lag völlig falsch denn dann ging das Theater erst richtig los. Scientology machte regelrechten Telefonterror bei mir zu Hause, sie wollten mit mir reden und fragten mich, ob meine Mutter wüsste, dass ich schwanger bin und dass sie warten würden, bis ich das Kind zur Welt bringe. Zudem meinten sie in scharfem Ton, dass sie meiner Mutter ihre Tochter (also mich) und das Kind wegnehmen würden, wenn ich nicht sofort ans Telefon kommen würde.

Daraufhin reichten wir bei der Polizei in Absprache mit dem Sektenexperten eine Anzeige wegen Belästigung ein und Scientology erhielt einen amtlichen Beschluss. Ich hatte jahrelang Angst um mein Kind, dass sie ihre Drohung wahr machen und es tatsächlich entführen würden.

Als mein Kind älter wurde habe ich es immer gewarnt vor solchen Leuten und Machenschaften und selbst nach den ganzen Jahren bekomme ich immer noch Bauchschmerzen, wenn ich höre oder lese, dass die wieder ihr Unwesen treiben.

Ich habe Angst davor, was sie anderen Familien antun könnten und ich war ja „nur“ ca. ein Jahr dort drin.»

Ende des Erfahrungsberichts.

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FASA Erläuterungen und Anmerkungen:

Dieser eindrückliche Erfahrungsbericht löst bei uns ein Schaudern aus und zeigt einmal mehr auf, dass sich die Scientology-Methoden in den letzten 20 Jahren überhaupt nicht verändert haben. Die Rekrutierungen von neuen Mitgliedern findet wirklich auch im privaten Bereich statt, da sich Scientologen nicht zu erkennen geben (dies ist im Film «Bis nichts mehr bleibt» auch sehr gut zu beobachten). Leider sind die Drohungen gegenüber Aussteigern bis heute dieselben geblieben und selbstverständlich auch die ganze Rekrutierungs-Masche und das systematische Vorgehen.

Die Aussteigerin und Verfasserin des heutigen Erfahrungsberichtes war ja nur knapp ein Jahr bei Scientology, hat uns jedoch gefragt, wie es denn Aussteigern gehe, welche länger dabei waren als sie? Und ergänzt: «Trotz der relativ kurzen Zeit bei Scientology sitzt die Gehirnwäsche und die noch immer vorhandene Angst über zig Jahren sehr tief in mir drinnen». Liebe Aussteigerin: Für Deinen aufgebrachten Mut und für Dein Vertrauen bedanken wir uns herzlich bei Dir und wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und einfach alles Gute für die Zukunft. Dank Dir werden sich einige Menschen tiefergehende Gedanken machen.

Gerne erwähnen wir ein anderes Beispiel mit ähnlichen Erfahrungen, welches Ende Dezember 2021 vom WDR publiziert wurde. Darin erzählt uns Silke eine andere aber denn noch ähnliche Geschichte über ihre schmerzhaften Erfahrungen mit Scientology.

Es ist wirklich sehr wichtig, dass man auch die verschiedenen Tarnorganisationen von Scientology kennt. Aber genau dies ist eben nicht nur für Privatpersonen eine Knacknuss, sondern auch für Städte, Gemeinden, Behörden, Politiker, Polizei und für Institutionen. Deshalb ist die Aufklärungsarbeit so wichtig und deshalb erwähnen wir die Scientology Tarnorganisationen immer wieder.

Eltern, Lehrer, Pädagogen:

Eure Aufklärungsarbeit ist besonders wichtig! Im oben erwähnten Erfahrungsbericht sieht man sehr gut, welchen positiven Einfluss Eltern zum Glück haben können. Sie haben sich nicht abschütteln lassen und haben ihre Tochter vor dem Schlimmsten bewahrt, denn die Scientology Köder sind besonders heimtückisch vor allem wenn wir uns Kindernachhilfelehrer, Weiterbildungsangebote wie kostenlos lesen lernen oder Coaches ansehen. Von Dating Plattformen und harmlosen Sprüchen wie «Wir haben für sämtliche Deiner Probleme eine Lösung» und von vielen anderen Angeboten auf privatem Grund wie auf Mirgros oder Coop Areal oder in SBB Unterführungen / Plätzen sprechen wir nicht einmal.

Deshalb ist die Aufklärung bereits in der Schule extrem wichtig – wie wir immer wieder in Winterthur erfahren haben, klappt dies dort besonders gut!

Ihr könnt uns auch für Vorträge an Schulen, Universitäten, in Vereinen etc. anfragen. Gerne besprechen wir spezifische Themen mit euch und wir erzählen gerne etwas über einen oder mehrere Themenbereiche, sei es z. B. über unsere Erfahrungen als friedliche Aktivisten oder über unsere Aufklärungsarbeit etc.

Medien:

Medien leisten hier einen enorm wichtigen Beitrag und wir sind echt dankbar dafür. Eine Aufklärungsarbeit ist überall sehr wichtig und sie ist nur erfolgreich, wenn immer wieder über manipulative Sekten gesprochen und geschrieben wird. Jeder Zeitungsartikel über Scientology ist Gold wert: er kann Menschen und Familien retten und Schicksalsschläge verhindern. Wir binden den Medien einen «Kranz» und bedanken uns für alle tiefgreifenden Recherchen von Journalisten und Redaktoren – ihr seid einfach Spitze!

Scientology und ihre Tarnorganisationen:

In unserem Blog Artikel «Grossoffensive auf SBB-Areal» haben wir die Schweizer Bevölkerung über die neue Kampagne von Scientology gewarnt. Gemäss einem eigens verfasstem PR-Text werden sie mit folgenden Tarnorganisationen auftreten:

  • CCHR – Psychiatrie zerstört Leben
  • Sag Nein zu Drogen, sag Ja zum Leben
  • Jugend für Menschenrechte und
  • Der Weg zum Glücklichsein

Die FASA und viele andere friedliche Aktivisten klären auf Facebook, Instagram, Twitter und Blogs auf. Mit diesen Tarnorganisationen und Themen versucht Scientology überall neue Mitglieder zu rekrutieren – auch in anderen Ländern weltweit.

Bitte nehmt unsere in Stein gemeisselte Warnungen ernst, seid immer aufmerksam, klärt eure Kinder auf und gebt nie, wirklich niemals fremden Menschen eure Adressen und Telefon-Nummern an! Falls ihr doch belästigt werdet, fragt die Polizei, ob sie euch mit einem einzigen Anruf helfen kann oder fragt einen Freund / Bekannten, welcher Anwalt oder ähnliches ist, ob er nicht zwei drei kurze Sätze auf offiziellem Briefpapier schreiben kann – dann hören Belästigungsversuche sehr rasch auf.

Habt ihr Fragen? Bitte kontaktiert uns – wir helfen sehr gerne weiter

Wenn ihr Fragen habt oder wenn ihr unsicher seid, so dürft ihr uns jederzeit kontaktieren – egal wo und wie. Wir beantworten eure Fragen wirklich sehr gerne, denn wir kennen sämtliche Tarnorganisationen und wir haben eine grosse Datenbank und Erfahrungen von Aussteigern und betroffenen Personen im ganzen deutschsprachigen Raum sammeln können – zudem sind wir in Europa genauso vernetzt wie auch in den USA. Selbstverständlich gehen wir immer äusserst diskret vor, nennen keine Namen, kein Alter, kein Land oder Wohnort. Aber je nachdem sprechen wir über das Erlebte, über Erfahrungen, über allerlei Tipps und Tricks. Viele Personen haben so viel erlebt und haben ihre Probleme auf ganz unterschiedliche Art und Weise entweder aufarbeiten können oder sie haben einen Weg gefunden, mit ihrem Rucksack, mit ihren zum Teil traumatischen Erlebnissen auf eine andere und leichtere Art umzugehen.

Wir sind auch nicht so vermessen, dass wir denken, wir haben Lösungen für alle Probleme. Das macht ja bereits Scientology! Unser Motto geht eher in diese Richtung:

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