hpd Interview: Neuer Aufklärungsblog über Scientology

Nachstehend findet ihr das neuste und mega tolle Interview vom ©Humanistischen Pressedienst. Es freut uns sehr, dass wir auch über die Landesgrenze in Deutschland angekommen sind! Bitte meldet euch, falls ihr Fragen habt.

von Constantin Huber, 7. Dezember 2021

Sekten versuchen auf perfide Arten und Weisen in die Gesellschaft hineinzuwirken. Aufklärung über deren Machenschaften ist daher enorm wichtig. Ein seit 2019 aktives Team dämmt über einen kürzlich gestarteten Blog, mehrere Social-Media-Seiten und Präsenz vor Ort das Treiben von Scientology ein. Dabei spielen Vernetzungsarbeit, Hilfsangebote, das Sammeln von Informationen, Berichte von Aussteiger:innen und vieles mehr eine Rolle. In einem Interview mit den beiden Initiator:innen Beat Künzi und Yolanda Sandoval Künzi erhielt hpd-Autor Constantin Huber Einblicke in deren Engagement und Vorgehensweisen.

hpd: Aus welcher Motivation heraus habt ihr euch für einen Blog über eine Sekte entschieden und warum über Scientology?

Beat Künzi / Yolanda Sandoval Künzi: Wir sind ein Ehepaar mit einigen treuen Aktivist:innen und Aussteiger:innen, die Scientology als sehr gefährlich einstufen. Sogar als gefährlichste Sekte der Welt, mit ihrem eigenen Geheimdienst, dem sogenannten „Office of Special Affairs“ (OSA). Unsere Motivation? Wir, die Freien Anti-Scientology Aktivisten (FASA) möchten, dass die weltweit reichste Sekte der Welt, keine oder zumindest so wenig neue Mitglieder wie möglich in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich „fischen“ kann. Die Psychosekte – das hört Scientology überhaupt nicht gerne – ist so umfassend, so tiefgründig, so manipulativ vielseitig, so gefährlich und doch in vielen Ländern so „anerkannt“, dass wir uns von Beginn an entschieden haben, uns „nur“ auf Scientology zu konzentrieren. Wir haben genug Themen und Material auf DVDs, in Büchern und Zeitschriften, um in den nächsten Jahren weiterhin und facettenreich über Scientology aufklären zu können. Es war nie unser Interesse, vor den ungefähr 1.000 verschiedenen Sekten oder Gruppierungen zu warnen, denn da ginge der Fokus verloren und man verzettelte sich zusehends.

Wie sieht eure konkrete Hilfe für betroffene Menschen aus? Was könnt ihr bieten und wann stoßt ihr an eure Grenzen? Gibt es rote Linien, die ihr für euch selbst gezogen habt?

Viele Betroffene melden sich bei uns, was wir wirklich sehr zu schätzen wissen. Es ist stets unser Anliegen, neutral und sachlich zu bleiben, ohne dass wir mit „Dreck um uns schleudern“. Das bringt erstens nichts und zweitens ist es viel wichtiger, aufzuzeigen, wie wir betroffenen Menschen, welche Personen an Scientology verloren haben, eine Hilfestellung oder eine ausgestreckte Hand anbieten können. Die Scientology-Tarnorganisationen sind mannigfaltig und Menschen, die uns kontaktieren, haben häufig ein „Bauchgefühl“, dass eine geliebte Person in die Sekte hineingerutscht ist. Mit der Pandemie sind leider auch diverse Dating-Portale wie zum Beispiel „Parship“ von Scientolog:innen infiltriert worden – sie unternehmen wirklich alles, um neue Mitglieder zu gewinnen. Bald veröffentlichen wir einen aktuellen Bericht dazu. In diesem Fall – und auch in anderen Fällen – konnten wir zusammen mit Sektenexpert:innen helfen und Tipps geben. Aktive Scientolog:innen zum Aussteigen zu motivieren ist sehr schwierig. Aber da wir von Ex-Scientolog:innen wissen, dass jede:r von ihnen irgendwann einmal und zwar mindestens einmal zweifelt, ob er:sie das Richtige macht oder ob er:sie nicht vielleicht doch aussteigen möchte, nutzen wir diese kleine Hintertüre, um zu zeigen, wie dieses Unterfangen eventuell in die Realität umgesetzt werden kann.

An unsere Grenzen sind wir immer wieder gestoßen, zuerst mit Tränen und dann mit viel Mitgefühl aber mittlerweile auch mit einer Sachlichkeit und Abgrenzung, anders geht es gar nicht. Scientology ist skrupellos und rücksichtslos – sie sprechen Kinder (!) genauso an wie Jugendliche, Behinderte, alleinstehende Mütter, ältere alleinstehende Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund. Bei unseren aktiven Einsätzen vor und neben den Scientology-Ständen können wir das Ansprechen natürlich nicht verhindern, wir wollen dies nicht und dürfen dies auch nicht. Die Auflagen der Polizei gilt es zu befolgen. Jedoch können wir friedlich, beharrlich und vor allem mit einem Lächeln und viel Charme Passanten vor dieser in unseren Augen gefährlichsten Sekte der Welt aufklären, mit einer gelben Warnweste und einem Schild, auf welchem steht: „ACHTUNG! Scientology zerstört Familien und Menschen.“

Ja, rote Linien haben wir uns bereits seit Beginn selbst gesetzt. Uns war von Beginn an klar, dass wir nur friedlich und nur mit Beweisen und Fakten etwas erreichen können. Leider gibt es weltweit Gruppierungen, welche Scientology mit Gewalt bekämpfen wollen. Dies ist überhaupt nicht unser Weg und ist im Voraus zum Scheitern verurteilt. Scientology kann man jedoch sehr einfach auf die Palme bringen, wenn man sich an Gesetze und Vorgaben der Städte und der Gemeinden hält und Aufklärungsarbeit auch im Hintergrund betreibt. Und da die Meinungsfreiheit ein hoch angesehenes Grundrecht ist und in vielen Ländern sehr geschätzt wird, kann man mit Charme und Köpfchen und vor allem friedlich sehr viel erreichen. Scientology wiederum stößt dann sofort an ihre Grenzen, sie werden aggressiv, schreien herum, drängen uns ab und bedrohen uns sogar. In solchen Situationen deeskalieren wir lediglich und hie und da reißen wir einen Spruch. Vor allem dann, wenn ihre wirklich boshafte und aggressive Art und Weise durchdrückt – und das ist wirklich sehr häufig der Fall.

Dabei muss erwähnt werden, dass der Sektengründer L. Ron Hubbard Folgendes festgehalten hat: Alle Kritiker:innen bzw. Gegner:innen seien kriminell und dürften deshalb mit allen Mitteln bekämpft werden.

Scientology ist bekannt dafür, ihre Anhänger:innen finanziell auszubeuten und – wie viele andere Sekten auch – emotional von ihrer Institution abhängig zu machen. Wie genau passiert das und gibt es weitere Strategien, mit denen versucht wird, Mitglieder um jeden Preis zu halten?

Ganz wichtig ist die Erkenntnis: Das Erstgespräch an einem Scientology-Stand ist immer sehr angenehm, sehr zuvorkommend, sehr empathisch. Der Fachausdruck lautet hier „Love bombing“, also der Versuch, eine Person durch Aufmerksamkeits- und Zuneigungsbekundungen zu beeinflussen. Dies kann auf verschiedene Art und Weise und für positive oder negative Zwecke verwendet werden. Einige Psycholog:innen haben Love Bombing als möglichen Teil eines Missbrauchszyklus identifiziert und bereits davor gewarnt.

„Wir haben Lösungen für Deine Probleme“ ist der häufigste Satz, den man zu hören bekommt. Auch bieten sie ihren kostenlosen Stresstest als Beweis an. Das System ist so ausgelegt, dass es keinen einzigen Menschen gibt, der perfekt ist und keine Probleme hat – sonst könnte Scientology überhaupt keine Kurse verkaufen. Und um eben Lösungen anbieten zu können, muss es ja Probleme geben und die zeigt der Stresstest in großem Umfang auf. Wenn sich Passant:innen später für einen Test entschieden haben, den sogenannten Persönlichkeitstest „Oxford Capacity Analyse“, dann ist es nach diesen 200 Fragen bereits zu spät, sich wieder zurückzuziehen. Denn in diesem Test werden sehr persönliche und auch sehr intime Fragen gestellt, die später zu einem Bumerang werden, wenn es darum geht, aussteigen zu wollen. Scientology verwendet diese persönlichen und intimen Daten nämlich dazu, Druck auf Zweifler:innen auszuüben. Zugleich muss man wieder „auf die Spur gebracht werden“, was nichts anderes bedeutet, als einen zusätzlichen Kurs zu besuchen und noch mehr Geld auszugeben, als vorher bereits investiert worden ist. Und wir sprechen hier nicht von ein paar hundert Euro, sondern es geht dabei um tausende und hunderttausende von Euro, die allesamt an Scientology für überteuerte Kurse überwiesen werden müssen. Wenn kein Geld mehr vorhanden ist, werden die Mitglieder subtil gebeten, ihre eigenen Familien anzupumpen, Kredite aufzunehmen oder ihr Haus oder dasjenige ihrer Eltern zu verkaufen, um mit dem Erlös weitere Kurse „auf der Brücke zur völligen Freiheit“ zu absolvieren. Ein perfekt manipulativ aufgegleistes System, aus dem es fast kein Entrinnen mehr gibt. Auch der Fachausdruck „Gaslighting“1 wird in diesem Zusammenhang von Expert:innen gerne benutzt.

Es gibt noch weitere Strategien, mit denen versucht wird, Mitglieder um jeden Preis zu halten. Wie zum Beispiel in den entsprechenden Bereichen in den Sozialen Netzwerken oder mit ihren Tarnorganisationen „Sag Nein zu Drogen, sag Ja zum Leben“ oder „Der Weg zum Glücklichsein“, welche vermitteln sollen, dass Scientolog:innen ausschließlich Gutes tun. Und dann ist es ganz einfach so, dass laut Scientology alle Menschen, die nicht zu ihnen gehören schlecht und alle Scientolog:innen gut sind. Zudem kommt der wohl älteste und erfolgreichste Geheimdienst ins Spiel, das OSA (Office of Special Affairs). Bereits in den 2000er Jahren wurde bekannt, dass das OSA jede Woche 100.000 US-Dollar erhält, um Aussteiger:innen, Kritiker:innen und Gegner:innen von Scientology zu beobachten, zu verfolgen, zu belästigen, zu nötigen, zu bedrohen und sie dazu zu bewegen, zu Scientology zurückzukehren oder zu erreichen, dass sich Kritiker:innen zurückziehen. Der Faktor Angst wird von L. Ron Hubbard beziehungsweise mittlerweile dem aktuell mächtigsten Scientologen, David Miscavige, perfekt herausgefiltert und bis zur Perfektion gegen Aussteiger:innen und Andersdenkende angewendet.

Habt ihr Bedenken, für eure Kritik und Aufklärungsarbeit selbst ins Visier der Sekte zu geraten und eventuell sogar beschattet oder bedroht zu werden?

Da müssen wir herzhaft lachen. Wie hat Ursula Caberta, langjährige Scientology-Expertin und Aufklärerin so schön gesagt: „Wenn man Angst hat vor Scientology, hat man bereits verloren“. Ja, wir sind bereits ins Visier der Sekte geraten und wir wurden tatsächlich bereits mehrfach subtil bedroht. „Wir wissen, wo ihr wohnt“ und ganz zufälligerweise haben sie detailliert unsere Umgebung am Wohnort beschrieben, sie haben sogar die Namen unserer Vorgesetzten erwähnt und genüsslich haben sie uns gefragt „weiß euer Arbeitgeber was ihr hier eigentlich macht?“ und erwähnt, „dass sie sehr gerne bei uns vorbeikommen würden“. Ebenso genüsslich haben wir darauf erwidert, „dass wir dies sehr toll finden und wir sie gerne auf einen Kaffee einladen würden“. Bis heute hat kein:e Scientolog:in unsere Einladung angenommen [lacht]. Allerdings wurden wir bei unseren Einsätzen immer wieder von fremden Menschen oder aktiven Scientolog:innen fotografiert und gefilmt. Wir haben jedoch bereits viele Fotograf:innen zu deren Leidwesen enttarnt. Das war dann sehr peinlich für sie und wir vermuten, dass sie dann teure Kurse besuchen mussten, um wieder auf die Spur zu kommen. Enttarnen geht nach der Logik von Scientology nämlich gar nicht. Selbstverständlich ist auch über uns eine Akte angelegt worden und beim letzten Einsatz ist jeder unserer Schritte akribisch genau aufgeschrieben worden.

Zudem werden wir vom Scientology-Pressesprecher der Schweiz und für Deutschland (auch OSA-Chef dieser beiden Länder), Jürg Stettler, immer wieder öffentlich diffamiert und als Hetzer:innen, Fanatiker:innen und als Rassist:innen bezeichnet. Er hat sogar einen neuen Ausdruck erfunden, denn er nennt uns auch „religiöse Rassist:innen“. Auch als Nazis wurden wir bereits betitelt, aber leider ohne, dass ein Gericht dies in der Schweiz verurteilt hätte. Auch hat deren Pressesprecher versucht, uns bei Redaktionen in ein schlechtes Licht zu stellen, jedoch ohne Erfolg.

Beschattet wurden wir bei fast allen unseren Einsätzen. Immer wieder wurden externe Scientology-Mitarbeiter:innen auf uns angesetzt, welche uns minuten- oder sogar stundenlang bei unserer Aufklärungsarbeit gefilmt, verbal provoziert, abgedrängt und fotografiert haben. Für Scientology ist es unvorstellbar, dass ein einziges Ehepaar friedlich vor und neben ihren Ständen aktiv ist. Scientolog:innen haben uns bereits mehrmals gefragt, wer uns denn bezahlt? Wir müssen darüber nur schmunzeln. Und die Scientology-Methode der Diskreditierung gehört zu deren Ethik-Richtlinien (innerhalb von Scientology ist die OSA ihr eigener Justizapparat) und jede:r Scientolog:in muss sich genau an diese Ethik-Richtlinien halten und sie gegenüber „Feind:innen“ anwenden.

Welchen Umgang würdet ihr euch von der Politik mit Religion im Allgemeinen und Sekten im Besonderen wünschen? Ist ein adäquater Umgang mit Sekten ohne ein ausreichendes Maß der Trennung von Staat und Religion überhaupt denkbar?

Die Politik ist ganz klar viel zu wenig aktiv – im Gegenteil, Scientology ist weltmeisterlich im Lobbyieren und im Unterwandern. Ihr manipulatives, gewinnbringendes System ist so interessant, dass leider auch viele Politiker:innen einknicken. Nicht nur die Politik inklusive Staatsanwält:innen und Richter:innen, sondern auch die Immobilienbranche, Kindertagesstätten, Nachhilfeunterricht, Coaching für Führungskräfte und Mitarbeiter:innen, Banken und das Gesundheitswesen sind unterwandert von Scientology. Aber auch viele Sportclubs und Vereine sind davon betroffen. Scientology ist überall – auch unter den Lehrer:innen, welche bewusst mit ihren „Applied Schoolastics-Techniken“ die Kinder in Schulen beeinflussen möchten.

Zum Thema Staat und Religion gibt es ein super Beispiel aus Frankreich: Dort haben es die Scientolog:innen geschafft, einen Scientology-Mitarbeiter bis ganz nahe an den damaligen Präsidenten Mitterand „heranzuführen“. Mit fatalen Auswirkungen und einem Gerichtsprozess, in welchem der Paragraf zur Auflösung von Scientology „plötzlich“ verschwunden ist. Außerdem sind haufenweise Akten abhandengekommen, mit der lapidaren Erklärung, dass eine Putzkraft „aus Versehen“ zahlreiche Ordner über Scientology entsorgt habe. Und dort ist die Trennung von Staat und Religion ja bekanntlich weiter vorangeschritten als anderenorts. Das zeigt, dass diese allein noch lange kein Garant für einen gebotenen Umgang mit Sekten darstellt.

Die Macht von Scientology ist leider überall extrem groß und die Tentakel respektive die Unterwanderungen helfen mit, dass die gefährlichste Sekte der Welt fast überall willkommen und als Kirche oder zumindest als religiöse Gemeinschaft anerkannt ist. Nichts von ihren Relativierungen stimmt jedoch, es ist eine manipulative, zerstörende Psychosekte.

Gibt es neben Scientology weitere Sekten, die ihr als ähnlich gefährlich einstufen würdet?

Selbstverständlich gibt es die. Es gibt sowohl sehr bekannte wie auch sehr kleine Gruppierungen, welche immer wieder manipulativ Mitglieder beeinflussen, zum Teil sexuell ausbeuten oder sie dazu zwingen, zum „Wohlhaben dieser Sekte“ Geldbeträge beizusteuern. Leider sind viele Menschen empfänglich für die Akquisition der Sekten. Besonders dann, wenn sie wie etwa in der Corona-Krise einsam sind, ein Trauma erlebt haben oder nach einem neuen Sinn im Leben suchen. Da sind Menschen besonders gefährdet, sei es als Chef:in einer Firma, Professor:in, Banker:in, Angestellte:r oder auch als Fabrikarbeiter:in, Reinigungskraft und so weiter. Es ist also keine Frage des Bildungsstandes, sondern ob jemand in einem konkreten Moment für Manipulation empfänglich ist, es ist also quasi eine Frage des „Hereinfallens“. Ein schlechter Tag genügt und plötzlich fühlt man sich angesprochen von einer Sekte, die „das Gelbe vom Ei“ verspricht oder eine Erlösung anbietet vom angeblich bevorstehenden Weltuntergang.

Was würden Sie einem Menschen mit auf den Weg geben wollen, der in die Fänge einer Sekte geraten ist, jedoch gerade zu zweifeln beginnt, ob er:sie den richtigen Lebensweg eingeschlagen hat?

Bereits vorhandene Zweifel sind immer gut. Ganz wichtig ist jedoch, sich selbst Fragen zu stellen wie etwa:

„Was ist die Philosophie dieser Gruppierung, in die ich hineingeraten bin?“
„Wird versprochen, etwas sehr Außergewöhnliches zu erreichen?“
„Was ist das finale Ziel, das es dort zu erreichen gilt?“
„Wer ist Gründer:in oder Chef:in der Organisation und was finde ich im Internet heraus?“
„Was suche ich denn ganz genau und was erhoffe ich mir davon?“
„Welche Bücher muss ich lesen, um weiterzukommen?“
„Wie ist der Umgangston mit den Mitgliedern?“
„Was gefällt mir nicht in dieser Gruppe? Muss ich mich selbst verändern oder muss ich sogar den Kontakt mit der Familie und mit Freund:innen einschränken oder abbrechen?“
„Wird negativ über Andersdenkende und Kritiker:innen gesprochen oder werden diese sogar als ‚Problem‘ betitelt?“
„Wurde ich bereits einmal unverhältnismäßig stark in die Schranken gewiesen oder sogar bestraft?“
„Sind Einzelgespräche oder intensive Kurse wichtig oder werde ich dazu gedrängt, Kurse zu besuchen?“
„Falls ja, wie teuer sind diese Kurse, wie viel Geld muss ich bezahlen, damit ich Kurse besuchen kann? Oder muss ich mich sogar verpflichten, kostenlos für die Gruppe zu arbeiten?“

Das alles sind Fragen, deren Beantwortung helfen können, potenzielle Missstände zu identifizieren. Sektenangehörige leben schlussendlich in einer Parallelwelt, in der man praktisch keine Kontakte mit Angehörigen oder mit Freund:innen und Kolleg:innen mehr hat und wenn doch, nur mit denjenigen, die sich nicht kritisch über das Thema Sekte äußern. Es braucht sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen, jemanden zu sensibilisieren, dass er:sie sich in einer Sekte befindet und vielmals gelingt dies leider nicht. Dann ist es einfach wichtig „da zu sein“, wenn sich die Person meldet und Hilfe benötigt. Denn jemanden dazu zwingen, auszusteigen, funktioniert einfach nicht.

Seit Beginn unserer Arbeit war es deshalb ein Ziel von uns, eine Vernetzung mit Sektenexpert:innen oder mit entsprechenden Netzwerken anzustreben, damit wir auch diese betroffenen Menschen weiterleiten können. In der Schweiz arbeiten wir eng mit der Infosekta und Relinfo zusammen und was Deutschland angeht, so gibt es eine aktuelle Liste auf unserer Homepage unter der Rubrik „unser Netzwerk / hilfreiche Adressen„. Mit unseren Freunden, den deutschen „StreetOps“-Aktivist:innen, waren wir an zwei friedlichen Kundgebungen vor den Scientology-Zentralen in München und Hamburg. Auch mit dem Sektenexperten und Psychologen Dieter Rohmann aus München besteht ein guter Kontakt.

Zu den Medien haben wir ebenfalls einen sehr guten Draht. Und den nutzen wir auch, denn so kann unsere Aufklärungsarbeit einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Je mehr Menschen sich über Scientology und über Sekten generell Gedanken machen, desto mehr werden sie sensibilisiert, wenn sie von fremden Menschen Zuhause oder an einem Stand angesprochen werden. Und die Alarmglocken sollten sofort schrillen, wenn einfache (aber teure) Lösungen für die eigenen (vermeintlichen) Probleme angeboten oder wenn übertriebene Versprechungen gemacht werden.

Zentral ist für uns beim Thema Scientology, sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Nur Empathie und Freundlichkeit gepaart mit Verweisen auf die Fakten und Hartnäckigkeit vermögen es, Menschen zum Hinterfragen und letztlich zur Abkehr von diesen Irrwegen zu bringen.

Das Interview führte Contantin Huber für den hpd. Hier der Link dazu: https://hpd.de/artikel/neuer-aufklaerungsblog-ueber-scientology-19938

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