
Dieses Buch ist laut der Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim seit langem vergriffen, aber vielleicht erhält man es mit etwas Glück doch noch bei «Amazon.de», «Booklooker.de» oder «ZVAB».
Hier präsentieren wir euch mal vorerst das letzte Buch vor unserem bald wohlverdienten Urlaub und wir werden uns wieder vermehrt den diversen Recherchen über die Scientology Wirtschafts-Unterwanderung widmen.
Hier unsere Buchrezession – let’s go!
Es gibt Bücher, die sich einem Thema vorsichtig annähern – und es gibt solche, die mit bemerkenswerter Konsequenz und Akribie jede verfügbare Information zusammentragen, um ein Gesamtbild zu zeichnen. Das Buch «Psychokonzern Scientology»gehört klar zur zweiten Kategorie. Eberhard Kleinmann verfolgt erkennbar das Ziel, die von Scientology selbst verbreiteten Narrative nicht nur zu hinterfragen, sondern systematisch zu zerlegen – und das gelingt ihm auf eine Weise, die gleichermassen beeindruckt wie erschüttert.
Was beim Lesen sofort auffällt, ist die enorme Dichte an Quellen. Kleinmann begnügt sich nicht mit blossen Behauptungen oder allgemeinen Einschätzungen. Stattdessen arbeitet er sich durch eine Vielzahl von Dokumenten, Zitaten und Berichten, die seine Argumentation stützen. Gerade dort, wo Scientology selbst mit vagen oder unbelegten Aussagen operiert, setzt das Buch an und liefert konkrete Nachweise. Diese Herangehensweise verleiht dem Werk eine fast schon dokumentarische Qualität und ja, es hat sehr viele Züge einer wissenschaftlichen Arbeit!
Inhaltlich spannt das Buch einen weiten Bogen. Die Biografie von L. Ron Hubbard wird ebenso kritisch beleuchtet wie die zentralen Lehren und Strukturen der Scientology-Organisation. Besonders eindrücklich sind die Kapitel, die sich mit dem internen Machtgefüge sowie dem sogenannten Geheimdienst von Scientology beschäftigen – Bereiche, die Aussenstehenden oft verborgen bleiben. Auch WISE kommt nicht zu kurz. Hier zeigt sich, wie sorgfältig Kleinmann recherchiert hat: Die Zusammenhänge werden nicht nur benannt, sondern nachvollziehbar erklärt.
Einen starken Eindruck hinterlassen auch die Berichte von ehemaligen Mitgliedern und Betroffenen. Diese persönlichen Perspektiven geben dem Buch eine emotionale Tiefe, die über reine Analyse hinausgeht. Man merkt schnell: Es geht hier nicht nur um Strukturen und Ideologien, sondern um reale Konsequenzen für Menschen.
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist das Vorwort von Norbert Blüm. Als ehemaliger Bundesminister unter Kanzler Helmut Kohl bringt er nicht nur politisches Gewicht, sondern auch eine klare Haltung mit. Sein Beitrag rahmt das Buch auf eine Weise, die dessen Seriosität zusätzlich unterstreicht.
Praktisch und erfreulich bodenständig sind die Passagen, in denen Kleinmann konkrete Hinweise gibt, wie sich Einzelpersonen, Unternehmen oder Organisationen vor Einflussversuchen schützen können. Das hebt das Buch über eine reine Analyse hinaus – es wird zu einem Werkzeug, das im Alltag tatsächlich nutzbar ist. Die hierzu im Buch enthaltene Checkliste ist genial.
Abgerundet wird das Ganze durch ein umfangreiches Stichwortverzeichnis, das fast schon den Charakter eines Glossars hat. Besonders hilfreich ist hier die Aufarbeitung zentraler Scientology-Begriffe, die oft bewusst umgedeutet oder verschleiert verwendet werden. Für Leserinnen und Leser, die sich tiefer einarbeiten wollen, ist das ein echter Mehrwert.
Im Fazit bleibt vor allem eines hängen: «Psychokonzern Scientology»ist ein äusserst gelungenes Nachschlagewerk. Trotz seines Alters – die Erstveröffentlichung liegt rund zwei Jahrzehnte zurück – wirkt es inhaltlich keineswegs überholt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Scientology selbst grossen Wert darauflegt, die Lehren von L. Ron Hubbard unverändert weiterzugeben. Die im Buch analysierten Inhalte haben daher bis heute Bestand.
Wer sich fundiert, kritisch und zugleich verständlich mit Scientology auseinandersetzen möchte, findet hier ein Werk, das weit über eine oberflächliche Betrachtung hinausgeht. Es ist kein leichtes Buch – aber eines, das sich zu lesen lohnt.