Buch: Scientology – Ich suchte das Licht und fand die Dunkelheit – von Jutta Elsässer

Durch den aktuellen Gerichtsfall und die vielen Recherchen für unsere Beiträge, kommen wir seit Monaten nicht mehr dazu, irgendwelches Buch in die Hände zu nehmen und geschweige es zu lesen.

Deshalb sind wir über jegliche Hilfe sehr dankbar und ein Leser hat uns seine Zusammenfassung zu diesem o.e. Buch zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür.

Informationen von Amazon:

Dieses Buch erschien am 01.01.1997 mit der ISBN Nr. 3485007714

Kurzbeschrieb:

«Jutta Elsässer denkt wie so viele: „Mir kann das nicht passieren!“ Mit ihrem scharfen Verstand glaubt sie sich vor jeder Manipulation gefeit. Doch sie ist neugierig, sucht nach einem Sinn in diesem Leben und füllt mehr aus Neugierde einen Fragebogen des Dianetik-Zentrums aus. Dadurch bekommt sie Kontakt zu Scientology und fühlt sich das erste Mal von anderen Menschen wirklich ernst genommen und verstanden. Die persönliche Weiterentwicklung wird ihr alleiniges Ziel, der Geist wichtiger als alles andere, auch als alle Ersparnisse. Und schon nach einem Jahr steht Jutta Elsässer vor dem finanziellen Ruin – aber es sollte noch drei Jahre dauern, bis sie sich endgültig von Scientology lossagen kann. Ihr schmerzvoller Lebensbericht verdeutlicht, wie die Mechanismen der Manipulation und der Selbstbeeinflussung greifen und daß es keineswegs naive Menschen sind, die in die Abhängigkeit einer Sekte geraten.»

Und jetzt präsentieren wir euch die Zusammenfassung unseres Lesers, welche wir seit Jahren im persönlichen Kontakt stehen. Let’s go!

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Obwohl das Buch bereits einige Jahre alt ist, schildert es sehr eindrücklich ihre persönlichen Erfahrungen aus der Zeit von 1989 bis etwa Mitte der 1990er Jahre.

Für jemanden wie mich, der bereits viele ehemalige Scientologen auf ihrem Weg aus der Organisation begleitet hat, wirkt das Buch in gewisser Weise wie eine Blaupause. Viele der beschriebenen Erlebnisse ähneln stark den Berichten, die ich im Laufe der Jahre immer wieder von Aussteigern gehört habe. Besonders bemerkenswert ist, dass die Autorin auch selbstkritisch mit ihrer eigenen Geschichte umgeht. Sie stellt sich die Frage, wie es überhaupt möglich war, dass sie als reflektierte und eigentlich gefestigte Persönlichkeit in eine solche Psychosekte geraten konnte.

Genau hier liegt nach meiner Erfahrung eines der größten Probleme: Viele Menschen sind überzeugt, dass ihnen so etwas niemals passieren könnte. Dieser Glaube – „mir kann das nicht passieren“ – ist jedoch ein gefährlicher Trugschluss. Gerade Menschen, die sich für kritisch, gebildet und unabhängig halten, unterschätzen oft, wie subtil und schrittweise solche Organisationen Einfluss nehmen.

Wenn man sich den Inhalt des Buches genauer anschaut, beschreibt die Autorin zunächst sehr anschaulich die klassische Anwerbung bei Scientology. Sie schildert die ersten Gespräche mit freundlichen und scheinbar sehr engagierten Mitarbeitern, die positiven Gefühle nach den ersten Auditing-Sitzungen und den immer wiederkehrenden Druck, sogenannte Erfolgsberichte zu schreiben. Besonders interessant ist ihre rückblickende Betrachtung der Auditing-Sessions: Dort wurde entlang der eigenen Lebensgeschichte immer tiefer in die Vergangenheit gegangen. Aus heutiger Sicht erkennt sie selbst, wie absurd manche der dabei entwickelten Erklärungen waren – und dennoch gelang es den Auditoren damals, diese Deutungen für sie glaubhaft erscheinen zu lassen.

Sehr eindrücklich beschreibt sie auch den schleichenden Prozess, durch den man sich – selbst als intelligente und im Leben stehende Person – Schritt für Schritt von der sogenannten „Technologie“ beeinflussen lässt. Ausgangspunkt ist meist ein ganz nachvollziehbarer Wunsch: sich selbst zu verbessern, persönliches Wachstum zu erreichen oder Antworten auf schwierige Lebensfragen zu finden. Genau an diesem Punkt setzt Scientology an.

Im Verlauf dieses Prozesses entfernt man sich jedoch immer weiter von der eigenen Familie, von Freunden und von der Außenwelt – oft ohne es zunächst bewusst wahrzunehmen. Alles steht unter dem großen Versprechen, gemeinsam mit dieser scheinbar besonderen Gemeinschaft die Welt zu verbessern oder sogar zu retten. Diese Mischung aus Idealismus, Gruppenzugehörigkeit und persönlicher Selbstoptimierung wirkt auf viele Menschen äußerst stark.

Nachdem die Autorin ihre ersten Schritte in der Scientology-Mission in Augsburg gemacht hatte, wechselte sie später zur damaligen Mission Nymphenburg. Dort beschreibt sie sehr detailliert, wie sie nach und nach immer stärker in interne Strukturen eingebunden wurde. Gleichzeitig berichtet sie von teilweise sehr dubiosen Methoden, mit denen man versuchte, ihr immer mehr Geld abzunehmen. Trotz wachsender innerer Zweifel gelang es den Mitarbeitern immer wieder, sie zu weiteren Zahlungen zu bewegen – häufig spontan und nicht selten in vierstelliger Höhe.

Besonders drastisch wurde die Situation, als sie gegenüber der damaligen Leitung erwähnte, dass sie über Vermögen von rund 70.000 D-Mark verfüge. Von diesem Moment an setzte eine regelrechte Verkaufsoffensive ein. Es wurden immer neue Kurse, Trainings und Auditing-Programme angeboten, die angeblich notwendig seien, um den nächsten spirituellen Schritt zu erreichen. Die Summen spielten plötzlich keine Rolle mehr, schließlich ging es um das große Ziel: „Clear“ oder sogar „OT“ zu werden.

Am Ende dieser Entwicklung stand sie mit über 33.000 D-Mark Schulden da ohne die vom Ehemann dazu zu zählen. Erst nach und nach begann sie, sich innerlich von Scientology zu lösen. Besonders eindrucksvoll ist in ihrem Buch die Beschreibung dieses Ausstiegsprozesses. Die emotionale Bindung an die Organisation blieb noch lange bestehen, selbst, nachdem sie sich bereits kritisch distanziert hatte. Genau diese Phase – das langsame und oft schmerzhafte Lösen von der Gruppe – wird sehr nachvollziehbar und ehrlich geschildert. Auch beschreibt sie, wie sie den Schuldenberg zusammen mit ihrem Ehemann, der auch bei Scientology ausgestiegen ist, Schritt für Schritt vollständig abgebaut hat.

Mein persönliches Fazit: Es handelt sich um ein sehr gelungenes Buch, das stellvertretend für sehr viele ähnliche Lebensgeschichten bei Scientology steht. Die Erfahrungen der Autorin spiegeln Muster wider, die man bei zahlreichen ehemaligen Scientology-Mitgliedern findet. Und eine Erkenntnis wird dabei sehr deutlich: Für kein Geld der Welt und für keinen noch so teuren Hubbard-Kurs lässt sich ein Mensch zu einem „Übermenschen“ optimieren.

Der Verfasser

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