UK: Das Interview mit dem UK-Aktivisten Alex & Amir aus Scientology Edinburgh (Schottland)

Vor 6 Tagen, am 26.01.2026 führte der UK-Aktivist Alex ein Interview mit einem Scientology Staff-Mitarbeiter der Ideal Org in Edinburgh in Schottland. Hier der Link dazu:

Und ja, wir haben dieses Interview gesehen und fanden das Gespräch zwischen Alex und Amir sehr angenehm und interessant. Auch der Humor von Amir hat uns sehr gefallen. Unsere Gedanken waren nur, hat man dem Scientologen Amir aufgeklärt, dass dieses Interview für ihn seitens Scientology sehr unangenehm werden kann? Und es kam, wie es kommen musste.

Ein aufmerksamer Leser hat dieses Interview auch verfolgt und uns die Deutsche Zusammenfassung zur Verfügung gestellt.

Here we go!

«Scientology-Mitarbeiter in Edinburgh verlässt die Organisation nach internen Ethikmaßnahmen nach YouTube-Interview

Edinburgh, Schottland – Ein 20-jähriges Mitglied des Führungspersonals der Church of Scientology Edinburgh hat die Organisation verlassen, nachdem gegen ihn eine Reihe interner Disziplinarmassnahmen eingeleitet wurden, die nach seiner Teilnahme an einem YouTube-Interview über seine Erfahrungen in Scientology begannen.

Der ehemalige Mitarbeiter, der als Amir identifiziert wird, hatte an einem Videogespräch mit dem YouTuber und ehemaligen Scientologen Apostate Alex teilgenommen. Während Amir das Interview als respektvoll und nicht feindlich beschrieb, löste dessen Veröffentlichung seiner Aussage nach zunehmende Überwachung, Ethikverfahren und Druck seitens des Kirchenmanagements und des Office of Special Affairs (OSA) der Church of Scientology aus.

Erste Reaktion und interne Treffen
Laut Amir kehrte er am Tag nach der Veröffentlichung des Interviews zur Arbeit zurück und erwartete sofortige Konsequenzen, doch zunächst passierte nichts. Später an diesem Tag wurde er vom Executive Director (ED) der Organisation einbestellt, der das Gespräch mit der Bezeichnung Amir als „Internet-Promi“ eröffnete.

Der ED stellte Amir Fragen dazu, wie das Interview zustande gekommen sei, mit wem er kommuniziert habe und ob er weiterhin Kontakt zu Kritikern von Scientology pflege. Amir gab an, dass der ED behauptete, das Interview nicht gesehen zu haben, aber dennoch mit dessen Inhalt vertraut wirkte.

In den folgenden Tagen bemerkte Amir, dass er aus mehreren internen Scientology-Gruppen-Chats entfernt worden war, darunter auch einer grossen nationalen Messenger-Gruppe. Als er nach einer Erklärung fragte, wurde ihm von einem Scientologen aus London mitgeteilt, dass die Entfernung darauf zurückzuführen sei, dass Amir mit einer Person gesprochen habe, die von der Kirche als „Suppressive Person“ angesehen werde – eine Bezeichnung, die Scientology für vermeintliche Gegner der Organisation verwendet.

Ethikverfahren und Aufforderung zur Abkehr (Disconnection – Trennungsbefehl)
Anschliessend wurde Amir von seiner Position abgezogen und zu weiteren Gesprächen in das Ethikbüro der Organisation gebracht. Während dieser Sitzungen wurden ihm Materialien der Scientology-Politik – einschliesslich Referenzen zu Ethik und Öffentlichkeitsarbeit – vorgelegt. Er wurde darüber informiert, dass fortgesetzte Kommunikation mit Kritikern dazu führen könne, dass er als „Potential Trouble Source“ (PTS) eingestuft werde, ein Status, der ihn daran hindern würde, eine Führungsposition zu bekleiden.

Amir gab an, dass er angewiesen wurde, den Kontakt zu bestimmten Personen abzubrechen, also jegliche Kommunikation mit ihnen einzustellen. Disconnection / Trennungsbefehl ist eine umstrittene Praxis in Scientology, die die Kirche offiziell nur als letzten Ausweg bezeichnet, von ehemaligen Mitgliedern jedoch seit langem als Zwangsmassnahme beschrieben wird.

Einbindung des OSA
Die Situation eskalierte weiter, als Amir aufgefordert wurde, sich mit einem leitenden OSA-Vertreter aus Dublin zu treffen, der angeblich auf Familienbesuch in Schottland war. Amir äusserte Zweifel an dieser Erklärung und wies darauf hin, dass Sea-Org-Führungskräfte normalerweise nicht ohne organisatorischen Zweck reisen.

Während des Treffens sagte Amir, dass er ausführlich zu seinen Kontakten befragt wurde und gefragt wurde, ob er seine Teilnahme am Interview bereue. Ausserdem wurde er ermutigt, darüber nachzudenken, das Video entfernen zu lassen. Kritiker von Scientology, insbesondere ehemalige Sea-Org-Mitglieder, wurden negativ dargestellt, wobei Materialien des OSA zitiert wurden, um sie zu diskreditieren.

Ethikprogramm und Abzug von der Position
Nach diesen Treffen wurde Amir ein formelles Ethik-„Programm“ zugewiesen, das zahlreiche Anforderungen umfasste, darunter intensive Studienübungen, schriftliche Arbeiten und enge Überwachung. Er wurde von seiner Führungsposition abgezogen, obwohl er sich selbst als leistungsstarken Mitarbeiter beschrieb, und auf unbezahlte manuelle Arbeit mit Renovierungs- und körperlichen Tätigkeiten versetzt.

Obwohl die Kirche die Massnahmen nicht als Bestrafung bezeichnete, gab Amir an, dass die Versetzung in der Praxis genau dies bedeutete.

Austritt aus Scientology
Amir wurde nicht offiziell als Suppressive Person erklärt und auch nicht zwangsweise ausgeschlossen. Stattdessen entschied er sich, die Organisation freiwillig zu verlassen, nachdem er zu dem Schluss gekommen war, dass die Einhaltung der Vorgaben von ihm verlangen würde, Kontakte abzubrechen, die er für berechtigt hielt.

Als ein Folgeinterview online veröffentlicht wurde, war Amir bereits nicht mehr bei der Church of Scientology beschäftigt.

Weitere Vorwürfe
Neben seiner eigenen Erfahrung äusserte Amir Bedenken über interne Praktiken der Edinburgh-Organisation, darunter den Einsatz von Minderjährigen in Mitarbeiterrollen und die Entmutigung, interne Probleme an externe Behörden zu melden. Die Scientology-Politik hat historisch die Meldung interner Angelegenheiten an Strafverfolgungsbehörden als unterdrückendes Verhalten eingestuft, eine Haltung, die Kritiker als Hemmnis für Verantwortlichkeit sehen.

Die Church of Scientology hat wiederholt Vorwürfe von Zwang, Arbeitsausbeutung und Missbrauch zurückgewiesen und erklärt, dass alle Beteiligungen freiwillig seien und die Ethikverfahren darauf abzielen, Einzelpersonen zu helfen, ihr Leben zu verbessern.

Kontext
Ehemalige Mitglieder und Kritiker haben die internen Disziplinarsysteme von Scientology lange als strafend und darauf ausgelegt beschrieben, abweichende Meinungen zu unterdrücken. Amir’s Erfahrung, so argumentieren sie, spiegele die standardmässigen organisatorischen Verfahren wider und sei kein Einzelfall.

Für Amir war das Ergebnis entscheidend.

„Was als Gespräch begann, wurde zu einem Test des Gehorsams“, sagte er. „Da wusste ich, dass ich gehen musste.“»

Anmerkung FASA:
In den diversen Scientology Richtlinien wird den Scientologen untersagt, mit der Aussenwelt, welche als Abschaum deklariert ist, Kontakt zu pflegen oder sogar mit uns SP’s – unterdrückerischen Personen zu sprechen. Jeder Scientologe weiss, wie sich die Ethik-Strafen anfühlen oder anfühlen können.

Doch trotz diesem vorhandenen Wissen, behauptet der Schweizer Scientology Pressesprecher immer und immer wieder, dass solche Aussagen von Kritiker / Aktivisten gelogen seien. Und somit besitzt die Psycho- und Wirtschaftssekte weiterhin die Macht, solche Narrative in der Medienlandschaft zu lancieren und ihre selbsternannten Feinde (Kritiker, Aktivisten, Aussteiger) öffentlich brutal zu diffamieren. Immer und immer wieder!

Und zum Thema «Kindermissbrauch» hat Alex am 06.05.2025 den Artikel mit dem Titel «Scientology admits to child sexual abuse at its UK headquarters – Scientology gibt sexuellen Missbrauch von Kindern in ihrer britischen Zentrale zu» publiziert. Wir zitieren ein paar wichtige Passagen davon und den Rest könnt ihr im Google gut übersetzen lassen:

«Eine kürzlich wieder aufgetauchte Zeugenaussage eines Scientology-Funktionärs gegenüber der unabhängigen Untersuchungskommission für sexuellen Kindesmissbrauch (IICSA) räumt ein, dass die umstrittene Kirche von sexuellem Kindesmissbrauch in ihren britischen Niederlassungen wusste und dass das Opfer gezwungen war, „sich mit ihrer eigenen Schuld über das Geschehene auseinanderzusetzen“.

In der von Massimo Angius, dem britischen Rechtsbeauftragten von Scientology, übermittelten Erklärung heißt es: „Vor etwa 20 Jahren ereignete sich ein Vorfall, der der Polizei gemeldet wurde und zu einer Anklage führte. Dem Opfer wurde seelsorgerische Betreuung und Auditing angeboten, um ihr bei der Verarbeitung des Vorfalls und ihrer Schuldgefühle zu helfen.“

Weiter heißt es, Scientology habe eine „robuste“ Denunziationskultur eingeführt, in der Mitarbeiter verpflichtet seien, einander zu denunzieren, und dass „jeder potenzielle Täter in der Kirche wisse, dass es unmöglich sei, Missbrauch über einen längeren Zeitraum geheim zu halten“.

Mehrere ehemalige Scientologen, die in der Saint Hill-Zentrale in der Nähe von East Grinstead aufgewachsen sind, haben behauptet, dass es ihnen verboten wurde, sich nach dem Missbrauch in ihrer Kindheit an die Strafverfolgungsbehörden zu wenden, dass aber die Ethikrichtlinien von L. Ron Hubbard die Kirche dazu verpflichten, Beweise zu sammeln und aufzubewahren, die anschließend dazu verwendet werden, kriminelle Aktivitäten zu vertuschen.»

Diese letzte Aussage bestätigt auch der Fall Danny Masterson, verurteilter Scientology Serienvergewaltiger aus Los Angeles, welcher jahrzehntelang von Scientology beschützt wurde. Und auch die Aussteigerin, Sektenkind & SeaOrg-Mitarbeiterin, Mirriam Francis berichtete über ihr Missbrauch seitens ihres Vaters, der heute in die UK beordert wurde und somit von Scientology von diesen Taten beschützt wird.

Und an unseren Leser: bitte bedenkt, dass Scientology mit ihren vielen ausgeführten Auditings Wissensberichte von jedem einzelnen Scientologen zusammengestellt hat und genau diese internen Wissensberichte werden bei einem Ausstieg dieser Sekte gegen sie verwendet. Die Aussteiger flüchten ohne Beweise aus dieser Sekte und wenn sie sich öffentlich äussern, steht es Wort gegen Wort und sie riskieren sogar den Trennungsbefehl gegen die eigenen Familienmitglieder. Das ist einer der Gründe, warum sich wenige ex-Scientologen öffentlich äussern.

Zum Schluss sagen wir unserem Leser herzlichen Dank, dass er uns seine o.e. und übersetzte Zusammenfassung zur Verfügung gestellt hat. D A N K E !

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