GOOD NEWS! DE – Stuttgart: Ein Catering-Unternehmen wäre fast in die Scientology Falle hineingeraten

Wir kommen mit den nächsten GOOD NEWS, diesmal aus Stuttgart. Durch unsere intensive Aufklärungsarbeit haben wir es versäumt, diesen Zeitungsbericht zu publizieren. Scientology Stuttgart wird am kommenden Freitag, 30.08.2024, sein 6-jähriges Jubiläum feiern und dafür wollten sie eine gute Verpflegung für ihre treuen Anhänger und Besucher organisieren. Zum Glück haben unsere Kollegen aus der Region Stuttgart «QRex Recherche» sofort reagiert, das Unternehmen aufgeklärt und die Medien eingeschaltet. Liebe Freunde, auf diesem Weg ein grosses Dankeschön!

Hier der Artikel vom ZVW vom 22.08.2024 von Alexander Roth:

«Scientology will am 30. August in Stuttgart Jubiläum feiern. Auf Instagram warb die Organisation damit, dass „I love Mauldasch“ das Catering übernehme. Doch die Maultaschen-Experten aus Berglen erteilen den Scientologen nun eine Absage. Der Fall ist dennoch kompliziert.

Das Unternehmen „I love Mauldasch“ mit Sitz in Berglen ist eine Erfolgsgeschichte. Von Straßenfesten und anderen Events in der Region sind die Foodtrucks mit den leckeren Maultaschen kaum noch wegzudenken. Das Unternehmen bekennt sich immer wieder zu Werten wie Toleranz und Respekt, erst kürzlich beim CSD in Stuttgart. Marketing-Leiterin Ellen Kern sagte unserer Redaktion dazu: „Wir wollen die Wichtigkeit von Akzeptanz und Respekt gegenüber allen Menschen betonen, jede Person soll sich genau so akzeptiert fühlen, wie sie ist“.

Am Samstag (17.08.) warb die Scientology-Niederlassung in Stuttgart auf Instagram für eine Veranstaltung zum sechsjährigen Jubiläum. Als Caterer stehe „I love Mauldasch“ bereit, hieß es. Das Recherche-Kollektiv „QRex Recherche“ machte darauf über diverse Social-Media-Kanäle aufmerksam. Wir haben deshalb bei dem Unternehmen nachgefragt, ob das stimmt. Und ob „I love Mauldasch“ bewusst ist, wofür Scientology steht.

Während Scientology sich selbst als Kirche verstanden will, sprechen Fachleute und Kritiker eher von einem sektenartigen Unternehmen, das streng hierarchisch geführt wird und einen erbarmungslosen Umgang mit Kritikern und Aussteigern pflegt. Der Verfassungsschutz warnt vor den „extremistischen Zielen“ und dem verfassungsfeindlichen Programm Scientologys.

Die „Scientology Organisation“ wurde 1954 von L. Ron Hubbard in den USA gegründet. Heute sind seine Anhänger international tätig. Hubbards Ideologe stellt die „Dianetik“ ins Zentrum, eine von ihm entwickelte, esoterische und pseudo-psychologische Lehre. „Ziel ist der perfekte Mensch, das heißt eine gut funktionierende Menschen-Maschine“, schreibt das baden-württembergische Innenministerium. Den sogenannten „Clear“.

Die „Scientology Organisation“ wird seit 1997 vom Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg (LfV) beobachtet. Scientology wehrt sich seit langem gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz, sprach in der Vergangenheit von Verleumdung, übler Nachrede und Falschaussagen. 2018 nahm Scientology in Stuttgart ein neues Zentrum in der Heilbronner Straße in Betrieb. Deshalb die Jubiläumsfeier. Das diese „Kirche“, wie der Verfassungsschutz in Anführungszeichen schreibt, nicht irgendein unbedeutender Außenposten ist, wurde schnell deutlich: Zur Eröffnung reiste eigens das aktuelle Scientology-Oberhaupt, David Miscavige, aus den USA nach Stuttgart. Die Niederlassung ist eine von drei sogenannten „Ideal Orgs“ in Deutschland und gilt Verfassungsschützern damit als „repräsentatives Zentrum“.

Das LfV warnt, Scientology strebe „ein totalitäres gesellschaftliches System an“, einen „Clear Planet“. Die Organisation wolle die Gesellschaft möglichst von allen Nicht-„Clears“ „säubern“, so die Verfassungsschützer. „In diesem System wären elementare Grundrechte wie die Menschenwürde, die Meinungs- und Pressefreiheit sowie das Demokratie- und das Rechtsstaatsprinzip massiv eingeschränkt oder gänzlich außer Kraft gesetzt.“ Scientology erwarte von seinen Mitgliedern „bedingungslose Unterordnung“. Scientology versuche, Einfluss auf Parlamente und Regierungen zu gewinnen sowie in staatliche Strukturen einzudringen“. Eine umfangreiche Einordnung findet sich im aktuellen Verfassungsschutzbericht.

„Das haben wir so nicht auf dem Schirm gehabt“, sagt Sebastian Werner, einer von zwei Geschäftsführern bei „I love Mauldasch“. „Der Fehler liegt ganz klar auf unserer Seite. Spätestens, als wir gesehen haben, dass die Rechnungsanschrift Scientology ist, hätten wir reagieren müssen.“ Bei der ersten Anfrage sei das noch nicht erkennbar gewesen, was man Scientology aber nicht zum Vorwurf machen könne. Andere Vereine würden das auch so handhaben.

Warum hat „I love Mauldasch“ das Catering jetzt abgesagt? „Weil das einfach so extrem abweicht, von unserem Wertesystem“, sagt Werner. Leicht, das wird im Gespräch deutlich, fiel diese Entscheidung trotzdem nicht. Man nehme den Fall zum Anlass, grundsätzlich zu überlegen, wie man mit so etwas umgeht – denn das sei durchaus kompliziert.

„Für uns sind erstmal alle Kunden gleich“, sagt Werner. Wer Toleranz zu seinen Werten zähle, müsse auch gegenüber potenziellen Kunden tolerant bleiben, auch wenn man deren Werte nicht teile. Bei Angeboten stelle sich außerdem die Frage, wie weit man Kunden überprüfen müsse. Muss man über alle Organisationen Bescheid wissen? Über Scientology wusste man offenbar wenig bis nichts. Muss man Privatleute auf Verbindungen abklopfen? Firmen politisch einordnen können? Und wo ist die Grenze? Alle diese Fragen stelle man sich, seit die Anfrage unserer Redaktion einging.

„Wenn eine Druckerei jetzt Flyer druckt, und damit Inhalte von Scientology verbreitet, werden die dann auch gefragt?“, fragt Werner. „Wir liefern Maultaschen, wir machen uns nicht mit Inhalten gemein oder bieten eine Plattform. Und wo ist die Grenze? Muss der nächste Caterer auch absagen? Der Pizza-Lieferdienst? Soll der Supermarkt bestimmten Menschen kein Essen verkaufen? Haben nicht alle ein Recht auf Essen?“ Er habe kurz überlegt, ob man mit Regenbogen-T-Shirts zum Catering kommt, um die eigenen Werte dort zu propagieren. „Aber das wäre nicht fair gewesen. Das ist ein Kunde, der Geld bezahlen will, da wollen wir nicht in einen Konflikt kommen.“

Geld, das nach der Absage jetzt fehlt. Weil „I love Mauldasch“ eine moralische Entscheidung getroffen hat. Auch unter öffentlichem Druck und im Wissen, dass unsere Redaktion medial darüber berichten wird. Richtig so? Falsch? Sebastian Werner wirbt dafür, das offen zu diskutieren – und dabei fair und differenziert zu bleiben. Das Unternehmen aus Berglen habe auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. „Am Ende muss ich Gehälter zahlen, und es gibt keinen ‚Moraltopf‘, aus dem ich das Geld dafür nehmen kann.“»

Scientology ist nicht religiös – höchstens eine ausgesprochene, geldgeile Psycho- und Wirtschafts-Sekte. Sind dies Catering-Unternehmen auch, egal wer dahintersteckt?

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