AT: Scientology-Aufklärungsarbeit auf hohem Niveau – Bravo

In den letzten drei Wochen erschien ein zweiteiliger Podcast vom «Kurier.at» zum Thema Scientology. Auf diesem Weg gratulieren wir der Journalistin Birgit Seiser und dem ganzen Team für diese wertvolle und grandiose Aufklärungsarbeit für das Land Österreich!

Die Journalistin hat es geschafft, das Wichtigste über diese Psycho-Organisation SCIENTOLOGY in ihren beiden Podcasts mit einer Dauer von ca. je 30min. für den Zuhörer verständlich aufzuzeigen. Wir wissen nämlich, wie schwer es ist, das System Scientology mit wenigen Worten in ihrer Komplexität zu erklären.

Im ersten Podcast vom 20.02.2024 berichtet Birgit Seiser nur über das System Scientology, und dass diese Wirtschafts- und Psychosekte dank ihrem Gründer L. Ron Hubbard (Science-Fiction-Autor) an Aliens und Ufos glaubt und wie der galaktische Herrscher «Xenu» gewirkt hat. Auch kommt die uns bekannte Sektenexpertin Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sektenfragen zu Wort und ihre Aussagen möchten wir euch nicht vorenthalten:

«Mit ihren diversen Handlungen gegen ihre eigenen Sektenanhänger und Kritiker gibt die Scientology weiterhin kein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab.

Bei Krisenzeiten suchen die Menschen diverse Unterstützungen und somit ist es gegeben, dass Scientology mit ihrer Technologie Erfolge aufweisen möchte. Sie bleiben trotzdem beim Thema neue Mitglieder zu rekrutieren nicht überdurchschnittlich erfolgreich. Und da diese Psychosekte nicht offen und transparent ihre Mitgliederzahlen publizieren, ist diese Aussage schwierig zu beantworten. Scientology hat aber auch eine hohe Konkurrenz von anderen Gruppierungen / Gemeinschaften erhalten, die ähnliche Sachen und Lösungen anbieten und somit kann Scientology nicht profitieren. Somit besitzen auch die österreichischen Sektenexperten keine konkreten Mitgliederzahlen von Scientology, sie gehen aber davon aus von 100 bis ein paar Tausende.

Der Promi-Effekt bei Scientology ist sehr gross und ihnen sind auch diverse Künstler für die eigene Werbung und Propaganda sehr wichtig. Dieser Status benutzt heute noch Scientology, um ungehindert die Wirtschaft, Politik und Regierungen zu umwerben und unterwandern. Diese Hochsaison ist aber gemäss der Sektenexpertin bei Scientology vorbei.

Einer der grössten Kritiken der Sektenfachstelle ist, dass Scientology in der Öffentlichkeit nicht transparent auftritt und somit unerkennbar für den Laien bleibt. Z.B. Musikveranstaltungen, Gesangs-Veranstaltungen und Informationsstände von diversen Tarnorganisationen.

Was sehr auffällig war, dass letztes Jahr sehr viele Schulen von Scientology angefragt wurden mit Workshops-Aufklärungen über «Drogen». Für die Lehrer und Schulleiter ist es auf den ersten Blick nicht erkennbar, dass es sich bei diesem Thema um Tarnorganisation von Scientology handelt.

Durch das Grundrecht zur Religionsfreiheit ist es auch in Österreich schwierig Scientology zu verbieten. Das ist der Preis einer liberalen und demokratischen Gesellschaft, welche wir bezahlen müssen. Die Eigenverantwortung kommt stark zu tragen und das ist der Preis für unsere Freiheit! Scientology muss sich an die Gesetze halten.

Wenn man den Konsumentenschutz ins Visier nimmt, ist es wichtig den Anbieter ersichtlich zu deklarieren und somit Transparenz zu schaffen. Diesen Konsumentenschutz kann man für alle Scientology Produkte klar einfordern. Als Beispiel: die horrende Preise der diversen Coaching-Angebote von Scientologen mit der Scientology Technologie.

Der Ausstieg aus Scientology ist deshalb so schwierig, weil man auf einem Schlag alle Kontakte zur Gemeinschaft verliert und die sogenannten «Beichten bei den Auditings» gegen den Aussteiger öffentlich benutzt werden kann und das kann für manche Aussteiger peinlich und gefährlich werden. Das ist der beste Beweis, dass Scientology über jeden seiner Mitglieder eine interne Akte führt und die gegebenenfalls gegen sie verwendet werden kann.»

Wir haben die Sektenexpertin Ulrike Schiesser vor zwei Jahren an einer Tagung persönlich kennen gelernt und wir schätzen ihr Wissen über diese Sekte Scientology sehr. Auch ihr Gedankengang, welcher sie im Interview erwähnt hat, mit dem Thema Konsumentenschutz die Menschen seitens der Regierungen und Staaten besser vor Scientology zu schützen, finden wir nur plausibel und grandios. Genau dies fordern wir nun seit 5 Jahren gemeinsam mit unseren Sektenexperten in der Schweiz.

Das, was in der Verpackung drin ist, soll auch auf der Verpackung draufstehen! In anderen Worten: alle Standaktionen und Flyers von Scientology, sollen auch klar und deutlich mit Scientology beschriftet / gekennzeichnet sein und nicht nur den Namen des Sektengründer L. Ron Hubbard oder mit einer ihrer Tarnorganisationen.

Nach diesem wirklich tollen ersten Teil des Podcast hiess es zwei Wochen abwarten und gespannt sein, wer der Kurier als Aussteiger zum Interview gefunden hat.

Am 05.03.2024 war es so weit: der zweite Podcast wurde von Birgit Seiser veröffentlicht und leider zeigt auch dieses Interview auf, wie schwierig es ist, auch in Österreich mutige Aussteiger zu finden. Vorweg sagen wir nur: der ehem. Präsident der Scientology Wien hat «alles» gegeben und die Zuhörer mit seinen plötzlichen Ansichten verblüfft und sogar irritiert zurückgelassen. Wir werden euch ein paar Passagen dieses Interview mit Wilfried Handl näherbringen:

«Scientology ist keine Sekte, weil sie keine Abspaltung einer Religion ist. Scientology hat mit Religion so wenig zu tun wie die Mafia.

Zu meiner Zeit als Leiter von Scientology Österreich waren es nicht mehr als 200-300 Mitglieder. Heute gibt es ein paar passive Mitglieder, die ab und zu Kurse besucht haben und somit könnten es heute 3000 bis 6000 Mitglieder sein. Heute sind es aber nicht mehr wie 300 bis 500 aktive Scientologen.

Mir ist nicht bekannt, dass die Beichten bei den Auditings als Druckmittel gegen die Mitglieder benutzt worden sind (Anmerkung FASA: wie bitte??), aber diverse Aussagen können als Druckmittel oder für Erpressungsversuche gegen einen benutzt werden. Diese Methode wird aber überall angewendet.

Anmerkung FASA: Wilfried Handl hat den kompletten Freundeskreis beim Ausstieg verloren und das wäre ein Grund, den Ausstieg aus Scientology nicht weiter zu kommentieren. Er hat den Kontakt zur Frau und den drei Söhnen auf einen Schlag verloren. Mittlerweile hat er nach 18 Jahren zu den zwei ältesten Söhnen wieder Kontakt.

Für Sektenkinder / Hineingeborene kann der Ausstieg von Scientology einfacher sein, als wenn man später dazugestossen ist.

Durch den «Clear» Zustand und als operierender Thetan wird man nie mehr krank, nicht einmal ein Schnupfen sollte man bekommen. Bei meiner Krebsdiagnose zweifelte ich an der Technologie und bin schlussendlich 2002 ausgestiegen.

2010 / 2011 habe ich wöchentlich mit Anonymous demonstriert und bekam rechtliche Probleme mit Scientology, da ich die geleakten Mails in meinem Blog unzensiert publiziert habe. Beim Gericht habe ich der Richterin den Vorschlag gemacht, bei allen publizierten Emails die Namen zu streichen und Scientology übernimmt die kompletten Kosten. Scientology ist auf diesen Deal eingestiegen und haben uns somit gemeinsam auf ein Unentschieden geeinigt.

Aus meiner Sicht wird Scientology Deutschland gar nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet. Es geht immer um die Frage des Geldes und Wichtigkeit, da Scientology in den USA als Religion anerkannt ist und die Sachlage für den deutschsprachigen Raum somit erschwert ist. Der amerikanische Einfluss ist gross und gegeben! Und in Österreich gibt es kaum jemand, der etwas dagegen unternimmt.

Nach dem Ausstieg war ich eine Zeitlang an der Uni mit Psychologie-Studenten und eine Studentin hat mich mal gefragt, ob ich es bereue, zu Scientology gegangen zu sein. Meine Antwort war: NEIN. Ich bereue es nicht, weil man in irgendeine «Scheisse» in seinem Leben steigen muss. Das Einzige, was ich mir vorwerfen muss, ist, warum ich so lange gebraucht habe, um festzustellen, dass ich in der Scheisse stecke. Und mir war es klar, dass ich 1988 nicht die Konsequenz gezogen habe.

Scientology ist so gefährlich, wie wenn man auf der Strasse geht und in einem Brett mit Nägeln rein tappt. Ich finde, dass Scientology heute nicht genügend «Deppen» als Mitglieder finden wird. Und es ist vollkommen egal, ob die Regierung etwas dagegen unternimmt oder nicht. Wenn die Regierung gegen Scientology aktiv werden würde, würde das Kontraproduktiv sein, da es dann für viele Menschen interessant gemacht werden könnte.

Die OSA in Wien ist heute noch sehr aktiv und sammelt diverse Daten ihrer Gegner und legen Akten über sie an. Die OSA-Chefin, Anna*, dann gibt’s noch Heidi* (sie ist die Sprecherin von Scientology Österreich), ihre Aufgaben sind exakt die gleichen, wie diejenigen eines Geheimdienstes. Die OSA macht dieselbe Arbeit wie die CIA.»

Unser Fazit:

Die Sektenexpertin aus Wien, Ulrike Schiesser, hat die Sektenproblematik auf den Punkt gebracht. Liberale und demokratische Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz halten sich an das Grundgesetz und an die Bundesverfassungen. D.h., aus dieser Sicht wird NIE ein Verbot gegen Scientology ausgesprochen werden können, ausser sie werden kriminell auffällig. Um das Volk zu schützen, muss der Konsumentenschutz in allen Ländern die Transparenz dieser Sekte bei Standaktionen und Flyer vehement fordern.

Das, was in der Verpackung drin ist, soll auch auf der Verpackung draufstehen!

Dies fordern nicht nur Sektenexperten, sondern auch wir in der Schweiz. Alle Kantonsregierungen sollen sich fragen, ob sie ihre Bürger und Mitmenschen mit den unfairen Methoden von Scientology genügend schützen.

Und dass es in der Deutschschweiz, ausser im Kanton Zürich, nicht mehr so viele Standaktivitäten von Scientology gibt, hat auch mit unserer Aufklärung und den dadurch verschärften und völlig legitimen Auflagen der Städte zu tun. Und an sämtliche Auflagen müssen sich auch Scientologen halten.

Das Interview mit Wilfried Handl hat nicht nur uns überrascht, sondern auch der Journalist.

Verschiedene Aussagen von Wilfried Handl haben fast dazu geführt, dass wir uns verschluckten. Gerade er ist die bekannteste SP – unterdrückerische Person von Österreich und dass er jetzt nach über 18 Jahren wieder mit zwei Söhnen Kontakt haben soll, lässt uns aufhorchen und hinterlässt irgendwie einen faden Beigeschmack (es sei denn, die Söhne sind keine Scientologen mehr). Natürlich gönnen wir ihm dies von Herzen, aber wir fragen uns, ob und was da wirklich vorgefallen ist – zusätzlich zu seinem Vergleich mit Scientology?

Wir danken der österreichischen Journalistin Birgit Seiser herzlich, dass sie sich für diese Aufklärung über Scientology in Österreich Zeit genommen hat, und zwei tolle und sehr gut geführte Podcasts veröffentlicht hat. Es braucht weiterhin viele mutige Journalisten, die immer und immer wieder über das System Scientology berichten und deren Gefährlichkeit, Manipulation und die verursachte Abhängigkeit hervorstreichen und somit sehr viel dazu beitragen, dass so wenig wie möglich Kinder, Jugendliche, betagte und alleinstehende Personen, Menschen mit Migrationshintergrund, Behinderte und alleinstehende Mütter in die Fänge der in unseren Augen gefährlichsten Sekte der Welt hineingeraten.

Und vergesst bitte auch die Geschichten der traumatisierten Sektenkinder nicht.

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